Katharina Krüger im Interview
- HHT Team

- 14. Juli
- 7 Min. Lesezeit
Selbstbewusst, neugierig und immer genau dann bereit, wenn es darauf ankommt.
Wenn man auf die letzten Jahre von Katharina Krüger blickt, fällt schnell auf: Da ist eine Athletin, die genau weiß, was sie kann und die vor allem im Allgäu immer wieder über sich hinauswächst. Der Allgäu Triathlon ist für sie längst mehr als nur ein Rennen. Es ist ein Ort, an dem vieles zusammenkommt: starke Leistungen, besondere Erinnerungen und eine Verbindung, die über den Sport hinausgeht. Gleichzeitig zeigt ihr Weg auch abseits des Allgäus, wie konstant und vielseitig sie sich entwickelt hat. Mit Siegen, Podiumsplätzen und neuen Herausforderungen auf internationaler Bühne. Und als wäre das nicht schon spannend genug, hat sie für 2026 auch noch eine ganz besondere Ankündigung im Gepäck.

Katharina, der Allgäu Triathlon scheint fast so etwas wie dein Wohnzimmer zu sein. Jahr für Jahr lieferst du dort auf der olympischen Distanz große Rennen ab – Siege 2021, 2022, 2023 und 2025, Platz zwei 2024 hinter Anne Reischmann, Platz drei 2019. Welche Kraft gibt dir der Allgäu Triathlon und warum scheint dort jedes Jahr etwas Besonderes in dir aufzuwachen?
Der Allgäu Triathlon ist für mich mein Lieblingsrennen, und ich gehe dort jedes Jahr sehr gerne an den Start. Durch viele Camps und meine Kontakte zu Hannes Hawaii Tours kenne ich inzwischen viele aus der Crew. Deshalb ist es vor Ort nicht nur ein Wettkampf, sondern auch immer ein schönes Wiedersehen.
„Das Rennen ist anspruchsvoll, familiär und gleichzeitig sehr professionell organisiert.“
Genau diese Mischung macht den Allgäu Triathlon für mich so besonders und es macht einfach jedes Mal unglaublich viel Spaß.
Lass uns einmal zu deinen Anfängen zurückgehen. Du warst früh im Nachwuchskader unterwegs, bist bei DTU-Jugendcups und Deutschen Meisterschaften auf der Sprintdistanz gestartet und warst später auch in der Bundesliga für Bayer 05 Uerdingen am Start. Wie hat deine Triathlon-Reise eigentlich begonnen und was hat dich damals an diesem Sport gepackt?
Ursprünglich war ich Leistungsschwimmerin, genauer gesagt Brustschwimmerin, und habe Triathlon zunächst eher nebenbei gemacht. Meine ersten Berührungspunkte hatte ich schon als Kind bei einem Bambini-Triathlon in der Nähe. Dort musste man nur 20 Meter schwimmen, mit einem ganz normalen Fahrrad einen Berg hochfahren, das Rad oben in die Wiese legen und wieder hinunterlaufen. Im Ziel gab es ein Stofftier, bei mir war es eine kleine Plüschkatze. Das ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.
Später habe ich eher zufällig bei einer Talentiade mitgemacht und war offenbar ganz gut. Neben dem Schwimmen wurde Triathlon dadurch immer wichtiger in meinem Leben. Zur 10. Klasse bin ich dann auf ein Sportinternat gewechselt, und ab diesem Zeitpunkt lag der Fokus klar auf Triathlon. Es folgten viele Sprintdistanzen, Starts in der 1. Bundesliga für den PV Witten und weitere wichtige Entwicklungsschritte.
Nach dem Abitur bin ich nach Potsdam gegangen, habe mir dort aber im Frühjahr bei einem Radsturz den Ellbogen gebrochen. Dadurch bin ich schließlich wieder in Dortmund gelandet und habe dort studiert.
Nach dem Ellbogenbruch war ich im Schwimmen nicht mehr ganz auf dem vorherigen Niveau. Deshalb habe ich meinen Fokus stärker auf die Mitteldistanz gelegt.
Du hast es selbst schon angesprochen. Schwimmen ist sicherlich eine deiner großen Qualitäten. Gleichzeitig bist du auch auf dem Rad und beim Laufen sehr konstant unterwegs. Wo siehst du aktuell noch das größte Entwicklungspotenzial, um den nächsten Schritt zu machen?
Ich würde das Radfahren aktuell noch nicht unbedingt als meine größte Stärke bezeichnen. Ich glaube, dass dort weiterhin das größte Entwicklungspotenzial liegt, um im Profifeld noch weiter vorne angreifen zu können. Gerade in diesem Bereich ist die Renndynamik sehr entscheidend, und auf dem Rad kann man viel beeinflussen. Deshalb sehe ich dort noch viel Potenzial für die nächsten Schritte.

2019 war für dich ein starkes Jahr auf der Mitteldistanz. Altersklassensiege in Marbella, Heilbronn und Bahrain, der Deutsche Meistertitel in deiner Altersklasse und Platz vier bei der IRONMAN-70.3-Weltmeisterschaft in Nizza. Eigentlich war klar, der nächste Schritt ist der Profistart. Dann kam aber Corona. Keine Rennen, keine Bühne, ausgerechnet in deinem ersten Profi-Jahr. Wie hast du diese Phase körperlich und mental gemeistert?
Ich habe 2019 meine ersten 70.3-Rennen bestritten. Das hat, wie schon angesprochen, auf Anhieb sehr gut funktioniert. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war für mich klar, dass der Weg in Richtung Profisport realistisch ist.
Die darauffolgende Corona-Zeit war natürlich alles andere als einfach und für alle eine neue, herausfordernde Situation. Rückblickend war es für mich dennoch eine ganz besondere Phase, weil ich meine erste Profi-Mitteldistanz nicht bei einem klassischen 70.3-Rennen, sondern beim Apfelland-Triathlon absolviert habe.
Dass ich dieses Rennen direkt gewinnen konnte, war ein unglaublich prägender Moment. Durch den Livestream und die Übertragung von Pushing Limits hatte das Ganze zudem einen sehr professionellen Rahmen. Ein besserer Einstieg in den Profisport ist kaum vorstellbar.
In der Folge konnte ich weitere Rennen bestreiten und mich beim 70.3 in der Schweiz direkt als Profi für die Weltmeisterschaft qualifizieren. In diesem ersten Jahr ist enorm viel passiert. Es war intensiv, ereignisreich und rückblickend eine ganz besondere Zeit meiner sportlichen Laufbahn.
Seit deinem Profi-Einstieg ging deine Entwicklung Schritt für Schritt nach vorne. Sieg beim Apfelland Triathlon 2021, Top-Resultate bei IRONMAN 70.3 Rennen, 2025 erstmals das Podium beim IRONMAN 70.3 Warsaw, dazu dein Start in der T100-Serie in San Francisco und 2024 dein Langdistanz-Debüt beim IRONMAN Cozumel. Wenn wir nach vorne schauen, wo sehen wir Katharina Krüger 2026? T100, IRONMAN 70.3 oder vielleicht sogar auf der Langdistanz?
2025 war für mich eine sehr aufregende Saison mit vielen besonderen Erlebnissen. Ich habe sechs Rennen in sechs Wochen gemacht und am Allgäu-Wochenende sogar zwei Rennen innerhalb von 48 Stunden. So war das ursprünglich überhaupt nicht geplant, es hat sich einfach irgendwie schicksalhaft ergeben. Rückblickend würde ich daran aber nichts ändern wollen.
Für 2026 ist zunächst keine Langdistanz geplant. Außerdem stehen hoffentlich wieder einige Starts in der 1. Liga an. Das hatte ich in den vergangenen Jahren ein wenig aus den Augen verloren. Im letzten Jahr bin ich im Allgäu spontan in der Liga gestartet und es war ein unglaublich schönes Rennen. Danach war für mich klar, dass ich zwei Wochen später unbedingt auch noch in Hannover starten möchte. Auch das war mit dem Team ein riesiger Spaß.
„Im Allgäu werde ich auf jeden Fall wieder dabei sein, diesmal aber etwas Neues ausprobieren: die Mitteldistanz. Darauf habe ich jetzt schon richtig Lust.“
Deshalb freue ich mich sehr auf die Liga-Rennen und fiebere dem Allgäu Triathlon jetzt schon entgegen. Zusätzlich werden sicher auch wieder ein paar 70.3-Rennen dazukommen. Der Einstieg ist aktuell in Kraichgau geplant . Wieder mit einem Doppelwochenende, diesmal sogar mit noch weniger Zeit zwischen den Rennen. Mal schauen, was daraus wird.

Wir freuen uns sehr, dass du in diesem Jahr beim Allgäu Triathlon auf der Classic-Distanz am Start stehen wirst. Hast du dir bereits Gedanken gemacht, mit welcher Strategie du das Rennen angehen möchtest?
Mit derselben Strategie wie im vergangenen Jahr, nur diesmal über die doppelte Distanz. :-)
Lass uns noch einmal auf dein Langdistanz-Debüt beim IRONMAN Cozumel 2024 zurückblicken. Nach deinem Start dort hatten viele den Eindruck, dass du nun auch auf der Langdistanz angreifen würdest. 2025 und auch 2026 rückst du diese Distanz jedoch zunächst in den Hintergrund. Wie hast du das Rennen damals erlebt, mental wie auch körperlich? Und was waren die Gründe dafür, anschließend vorerst keine weitere Langdistanz in Angriff zu nehmen?
Zur Langdistanz kam es damals eher aus der Situation heraus. Nach meinem Sturz im Allgäu musste ich meine Saison zunächst unterbrechen und einige Rennen ausfallen lassen. Als das Jahr dann schon weit fortgeschritten war, stellte sich die Frage, welchen Wettkampf ich überhaupt noch machen kann. Am Ende blieben im Grunde zwei Optionen: 70.3 Bahrain oder Ironman Cozumel. Dann habe ich mir gedacht: Warum nicht? Ich probiere es einfach aus.
Die Vorbereitung lief zunächst gut. Ich war mit meiner Familie auf Hawaii und konnte die Zeit dort auch als Trainingslager nutzen. Das hat sehr viel Spaß gemacht und war sportlich wirklich wertvoll. Nach der Rückreise bin ich allerdings krank geworden – sogar so deutlich, dass ich zwischenzeitlich unsicher war, ob ich überhaupt nach Cozumel fliegen sollte. Das war keine einfache Entscheidung.
Irgendwann habe ich mich dann aber bewusst dafür entschieden, es trotzdem zu versuchen. Ich bin hingeflogen mit dem Gedanken, dass ich nichts zu verlieren habe und diese Erfahrung mitnehmen möchte. Nach der Langdistanz war ich natürlich erst einmal froh, meine erste Langdistanz geschafft zu haben. Gleichzeitig war ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden, weil es nicht das war, was ich mir vorgenommen hatte.
„Ich bin nicht dorthin geflogen, um einfach nur zu finishen.“
Diese Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass es an diesem Tag einfach nicht sein sollte. Deshalb war für mich zunächst klar: Ich möchte die Langdistanz im nächsten Jahr noch einmal angehen. Gleichzeitig habe ich über den Winter aber gemerkt, dass es auch auf der Mitteldistanz und bei anderen Formaten noch viele spannende Möglichkeiten gibt. Als ich dann meinen Referendariatsplatz begonnen habe, war außerdem klar, dass ich nicht mehr unbegrenzt um die Welt reisen kann.
So bin ich erst einmal wieder stärker auf der Mitteldistanz geblieben. Durch mein Bundesliga-Team kam dann die Möglichkeit, 2025 im Allgäu einzuspringen und dabei habe ich die Liebe zu den kürzeren Rennen wiederentdeckt. Danach bin ich auch noch in Hannover gestartet, was ebenfalls sehr viel Spaß gemacht hat.
Deshalb ist für dieses Jahr keine Langdistanz geplant. Mein Fokus liegt klar auf den kürzeren Distanzen und der Mitteldistanz. Die Langdistanz werde ich bestimmt irgendwann noch einmal in Angriff nehmen. Aber nicht in dieser Saison.

Du hast dich einfach mal so für den Ironman Cozumel angemeldet, eine Langdistanz, die man nicht mal eben nebenbei macht. Gleichzeitig wirkt es so, als würdest du solche Herausforderungen mit einer beeindruckenden Gelassenheit angehen. Ist diese mentale Stärke etwas, das dich besonders auszeichnet? Wie würdest du deine eigene Mentalität im Wettkampf beschreiben?
Vor Wettkämpfen bin ich tatsächlich oft aufgeregt und würde mich selbst nicht unbedingt als gelassen beschreiben. Die Langdistanz in Cozumel war damals eher ein Experiment und eine Erfahrung, die ich einfach ausprobieren wollte.






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