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Axel Reusch im Interview

  • Autorenbild: HHT Team
    HHT Team
  • 30. Juli
  • 8 Min. Lesezeit

Vom Triathleten zum Veranstalter. Getragen von Erfahrung, Leidenschaft und echter Laufschuhexpertise.


In jungen Jahren ins Allgäu gekommen, in den 90er-Jahren zum Local Hero gewachsen und bis heute ein prägender Teil der Triathlon-Szene: Axel Reusch vereint Erfahrung, Ausstrahlung und eine wohltuend unaufgeregte Präsenz auf besondere Weise. Sein über Jahrzehnte gewachsener Erfahrungsschatz ist etwas, das in der Szene nicht nur Eindruck hinterlässt, sondern echte Bewunderung weckt.


Im Interview mit der Allgäuer Triathlon-Legende haben wir über seine besondere Verbindung zum Allgäu Triathlon, seine Erlebnisse rund um Hawaii und seinen Blick auf die Entwicklung der Szene gesprochen.


Axel, mit über 150 Triathlons und mehr als 26 Ironman-Finishs weltweit gehörst du ohne Zweifel zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Triathlon-Szene. Doch jede lange Reise hat irgendwann ihren Anfang. Nimm uns doch mal mit zurück zu diesem ersten Moment: Wie bist du damals eigentlich zum Triathlon gekommen?

Das ist wirklich zu viel der Ehre. Es gibt viele andere, die diese Anerkennung genauso oder sogar noch mehr verdienen. Mit Triathlon bin ich erstmals Ende der 1980er-Jahre in Berührung gekommen. Anfangs erschien mir dieser Sport allerdings sehr aufwendig. Ich war damals vor allem Läufer und habe am Laufen besonders das Puristische und Egalitäre geschätzt. Trotzdem hat mich der Triathlon zunehmend fasziniert, sodass ich 1990 schließlich meine ersten Wettkämpfe bestritten habe.



Du hast Ironman-Rennen in Spanien, Portugal, Frankreich, Australien, Neuseeland, Japan, Kanada und den USA gefinisht und warst sogar achtmal beim wohl legendärsten Triathlon der Welt, dem Ironman Hawaii, am Start. Das ist nicht nur beeindruckend, das erzählt auch von einer riesigen Leidenschaft für diesen Sport. Was ist es, das dich bis heute immer wieder reizt, an deine Grenzen zu gehen und genau diese Herausforderung zu suchen?

Ich glaube, das Ausloten von Grenzen liegt bei mir altersbedingt inzwischen eher hinter mir, es sei denn, man spricht von den Grenzen meiner orthopädischen Belastbarkeit. 😉 Aber im Ernst: Triathlon bereitet mir nach wie vor sehr viel Freude. Besonders der Lifestyle rund um diesen Sport begeistert mich immer noch. Durch den Triathlon habe ich viele Länder bereist und weltweit Freundschaften mit Athleten geschlossen. 


„Das gehört für mich auch heute noch untrennbar dazu: Reisen, Begegnungen und Freundschaften.“

Es gibt ja Rennen, zu denen man eine besondere Verbindung aufbaut. Nicht nur sportlich, sondern irgendwie auch emotional. Beim Allgäu Triathlon scheint das bei dir genau so zu sein. Dieses Rennen taucht in deiner Geschichte nicht einfach nur als Ergebnis auf, sondern eher wie ein Ort, mit dem dich über die Jahre etwas ganz Eigenes verbindet. Nimm uns da mal mit: Was bedeutet dir der Allgäu Triathlon persönlich, was macht diese Veranstaltung für dich so besonders und wie oft warst du dort inzwischen schon am Start?

Der Allgäu Triathlon bedeutet mir sehr viel. Meine erste Teilnahme war 1992, als dort gleichzeitig die Deutsche Meisterschaft ausgetragen wurde. Damals habe ich auch Hannes kennengelernt. Über verschiedene Stationen hat mich der Weg schließlich ins Allgäu geführt, sodass der Allgäu Triathlon rückblickend sogar eine prägende Rolle in meinem Leben gespielt hat. Seit 1992 war ich jedes Jahr am Start , mit nur einer einzigen Ausnahme. 2026 soll deshalb meine 33. Teilnahme werden.


Allgäu Triathlon

Du hast es ja selbst gesagt: Einmal warst du tatsächlich nicht beim Allgäu Triathlon am Start. Und ganz ehrlich, genau so etwas lieben wir ja, weil sofort die wildesten Geschichten im Kopf entstehen. Deshalb jetzt mal Butter bei die Fische: Was war der Grund? War es ein Date, warst du krank, gab es einen familiären Anlass oder was bitte konnte so wichtig sein, dass du diesem Rennen ausnahmsweise einmal ferngeblieben bist? Erzähl mal, was steckt hinter diesem einen fehlenden Kapitel?

Als der Allgäu Triathlon vom traditionellen Juli-Termin in den August gewechselt ist, haben wir bei der Planung einmal nicht genau genug hingesehen. Schon lagen der Allgäu Triathlon und der Allgäu Panorama Marathon am selben Tag. 🙂 Seitdem stimmen wir uns bei den Terminen immer ab. Natürlich nicht in erster Linie, damit ich selbst starten kann, aber das ist ganz sicher ein angenehmer Nebeneffekt.



Wenn man auf deine Geschichte beim Allgäu Triathlon schaut, dann tauchen da mit 1997 und 1998 gleich zwei ganz besondere Jahre auf: jeweils Platz drei, und das hinter Namen wie der australischen Legende Chris Legh, Thomas Hellriegel und Sabatschus. Das zeigt ja, wie tief deine Verbindung zu diesem Rennen wirklich geht und wie viele Kapitel du dort schon miterlebt hast. Nimm uns doch mal mit zurück in diese Zeit: Welche Geschichten, Anekdoten oder ganz besonderen Momente verbindest du mit dem Allgäu Triathlon? Was ist dir von damals bis heute besonders lebendig im Kopf geblieben?

Die 1990er-Jahre waren beim Allgäu Triathlon meine besten Jahre. Ich wurde zweimal Dritter, zweimal Vierter und jeweils einmal Fünfter und Sechster. Wenn ich heute darauf zurückblicke, wirkt das fast ein wenig surreal. Es war eben eine andere Zeit: Auch damals war die Spitze stark, aber die Leistungsdichte und die Teilnehmerzahlen waren im Vergleich zu heute noch deutlich überschaubarer. Damals lagen Wechselzone und Ziel noch im Immenstädter Stadion, so war das eben früher. 


Und an Geschichten aus dieser Zeit mangelt es wirklich nicht. Darüber könnte man fast ein Buch schreiben. Eine Anekdote ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Ich war damals mit einem kleinsten Gang von 42/21 unterwegs, was an den langen Anstiegen schon mühsam genug war. In einem Jahr war das Ritzelpaket auf der Scheibe allerdings etwas anders, sodass ich den kleinsten Gang gar nicht schalten konnte. Am Ende habe ich mich mit 42/19 irgendwie nach Ettensberg hochgearbeitet.


Road to Kona

Es gibt im Triathlon nur wenige Orte, die einen so tiefen Klang haben wie Hawaii. Allein der Name weckt Bilder, Emotionen und diesen ganz besonderen Zauber, den nur unser Sport erzeugen kann. Für viele bleibt es eine ferne Vision, ein Traum am Horizont. Du dagegen warst achtmal Teil dieses Mythos. Achtmal auf Big Island, achtmal an einer der legendärsten Startlinien der Welt. Das schafft man nicht einfach mit Talent allein. Dafür braucht es ein ganzes Leben zwischen Disziplin und Leidenschaft, zwischen Verzicht und Hingabe, zwischen Alltag und einem Traum, der immer größer ist als man selbst. Wie hast du es geschafft, all das über so viele Jahre unter einen Hut zu bringen? Und wenn du heute auf Hawaii blickst, nicht nur als Rennen, sondern als Ort, als Gefühl, als Kapitel deines Lebens, was bedeutet es dir wirklich?

Hawaii war für mich lange Zeit ein ganz großes Ziel. Ich habe viel dafür investiert und mein Leben in vielen Phasen konsequent darauf ausgerichtet. Auf meinem Talentniveau war das letztlich auch notwendig, wenn man sich diesen Traum erfüllen wollte. Der Weg nach Hawaii hat mir einige der emotional schönsten Momente beschert, aber eben auch bittere Enttäuschungen.


Das Rennen selbst fasziniert mich bis heute, auch wenn ich mittlerweile das Gefühl habe, dass meine Zeit dort als Athlet vorbei ist. Ich bin nicht mehr bereit, alles diesem einen Ziel unterzuordnen. Dazu kommt, dass mir das Rennen auf Hawaii eigentlich nie wirklich perfekt gelegen hat. Meine Bestleistungen waren 9:45 Stunden und ein 138. Platz. Das war damals ordentlich einzuordnen, heute würde man mit dieser Zeit allerdings deutlich weiter hinten landen.


"Die besondere Bedeutung dieses Ortes ist für mich dennoch geblieben. Vielleicht fahre ich irgendwann wieder hin. Einfach, um dort zu sein, alte Freunde zu treffen und ein wenig in Erinnerungen einzutauchen."

Du hast es gerade selbst angesprochen: Der Triathlon hat sich über die Jahre ja fast neu erfunden. Was früher wie eine magische Grenze wirkte, wird heute von vielen Athleten auf eine Weise verschoben, die man sich vor einigen Jahrzehnten kaum vorstellen konnte. Unter neun Stunden zu bleiben, war damals ein echtes Ausrufezeichen, heute fallen sogar die Acht-Stunden-Marken. Deine 8:57 Stunden in Roth 1999 waren in dieser Zeit eine Leistung, die tiefen Eindruck hinterlassen hat. Wenn du heute auf diese Entwicklung blickst, auf schnellere Zeiten, neue Trainingswelten, anderes Material und einen Sport, der immer professioneller geworden ist: Wie ordnest du das für dich ein? Ist das für dich vor allem faszinierend oder geht mit diesem Fortschritt auch etwas verloren, das den Triathlon früher einmal besonders gemacht hat?

Auf mein Rennen in Roth bin ich tatsächlich ein Stück weit besonders stolz. Ich habe insgesamt 25 Ironman-Rennen bestritten, und irgendwo gibt es fast immer einen Moment, in dem etwas nicht ganz nach Plan läuft. In Roth 1999 hingegen hat nahezu alles perfekt zusammengepasst. Ich bin damals knapp unter einer Stunde geschwommen, 4:46 Stunden Rad gefahren und 3:08 Stunden gelaufen. Auf den letzten Kilometern wurde es zwar noch einmal etwas eng, weil ich den Marathon mit einer 1:29-Stunden-Hälfte etwas zu schnell angelaufen war, aber ich konnte das Rennen dennoch stabil zu Ende bringen und mir die Zeit unter neun Stunden sichern. Schon während des Rennens hatte ich das Gefühl: Das könnte heute meine Lebensbestleistung werden. Und genau so ist es dann auch gekommen. Das macht dieses Rennen für mich bis heute so besonders.


Natürlich hat sich im Triathlon seitdem vieles verändert, sei es beim Radmaterial, bei den Laufschuhen oder auch in der Ernährung. Aber die wesentlichen Dinge sind für mich im Kern gleich geblieben.


"Triathlon ist nach wie vor ein Sport, der Vielseitigkeit, Disziplin und Durchhaltevermögen belohnt. Er formt den Charakter, lehrt einen Demut und zeigt einem immer wieder, worauf es wirklich ankommt."
Train Like a Pro

Der Sport zieht sich bei dir ja wie ein roter Faden durch dein ganzes Leben. Nicht nur in Form von eigenen Leistungen, sondern auch durch das, was du für andere geschaffen hast. Mit deinem Laufladen in Sonthofen und als Veranstalter von Events wie dem Allgäu Panorama Marathon, dem Frühlingslauf Sonthofen, dem Citylauf Sonthofen, dem Oberstdorfer Gebirgstälerhalbmarathon und dem Nebelhornberglauf hast du der Szene über viele Jahre hinweg auf ganz unterschiedliche Weise etwas gegeben. Das ist mehr als nur Engagement, das ist echte Leidenschaft für Bewegung, Gemeinschaft und Erlebnisse, die bleiben. Wenn du heute nach vorne schaust: Gibt es noch etwas, das du unbedingt verwirklichen willst? Einen Traum, der noch offen ist, sei es als Veranstalter, als Ideengeber oder vielleicht sogar noch einmal ganz persönlich als Athlet?

Auch wenn ich abseits des Sports durchaus noch viele andere Interessen habe, spielt der Sport natürlich nach wie vor eine wichtige Rolle in meinem Leben. Es gibt durchaus noch einige Ideen für neue Events, die ich im Hinterkopf habe. Im Moment ist es mir aber wichtiger, mich auf die bestehenden Veranstaltungen zu konzentrieren, um mich nicht zu verzetteln. Ich werde im nächsten Jahr 60 und merke schon, dass mich manche Dinge heute mehr fordern als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren.


Sportlich bin ich selbst weiterhin aktiv. Dabei geht es mir längst nicht mehr in erster Linie um Ergebnisse oder Wettkämpfe an sich. Aber Wettbewerbe helfen mir nach wie vor bei der Motivation und machen mir einfach Spaß. Mein Fokus hat sich allerdings etwas verändert: Heute sammle ich vor allem Erlebnisse.

Für 2026 habe ich mich tatsächlich für fünf Triathlons angemeldet – so viele wie schon lange nicht mehr. Neben dem Allgäu Triathlon, der für mich natürlich gesetzt ist, werde ich auch beim Triathlon in Ottobeuren an den Start gehen. Dort habe ich vor rund 20 Jahren einen meiner wenigen Gesamtsiege gefeiert, seitdem war ich allerdings nicht mehr dabei. Umso schöner ist es, nun dorthin zurückzukehren.


Im Juni fliegen wir zu Freunden nach San Francisco, wo ich beim Escape from Alcatraz Triathlon starte – ein echter Klassiker, den ich bisher noch nie gemacht habe. Im Oktober geht es dann weiter nach Australien: Dort verbinden wir Urlaub und Sport, und ich werde zunächst beim Ironman 70.3 Port Macquarie und anschließend beim Noosa Triathlon teilnehmen.


All das macht mir nach wie vor große Freude. Und solange mein Körper und mein Geist noch mitspielen, werde ich einfach weitermachen. Am Ende ist es vielleicht genau das: den Sport weiterhin mit Freude zu leben, Erfahrungen zu sammeln und dem Ganzen mit Gelassenheit entgegenzusehen – gewissermaßen gemeinsam in den Sonnenuntergang zu reiten.


Lieber Axel, vielen Dank für das schöne und offene Interview. Wir wünschen dir für 2026 ganz viel Freude auf deinem Weg, besondere Momente und natürlich viel Erfolg bei deinen sportlichen Zielen. Umso mehr freuen wir uns, dich bei deinem 33. Allgäu Triathlon begleiten zu dürfen. Bis ganz bald am Race Day – wir sehen uns!

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