Der Mythos Ironman Hawaii – Die Geschichte der Eisenmänner | Teil 4
- HHT Team

- 13. Jan.
- 16 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Jan.
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2011 – Crowie schreibt Geschichte, Raelert kämpft blutig, Wellington krönt ihre Ära
2011 war das Jahr, in dem Australien seinen Siegeszug auf Hawaii fortsetzte, ein Deutscher mit einer Platzwunde zum Helden wurde und eine Britin endgültig zur Legende aufstieg. Der Mythos Ironman Hawaii zeigte wieder einmal, dass Schmerz, Wille und Leidenschaft hier die wahren Währungen sind.
Craig Alexander – Rekord, Reife und ein Stück Triathlon-Geschichte
Der Australier Craig “Crowie” Alexander bewies einmal mehr, dass Kona ihm liegt wie kaum einem anderen. Mit stoischer Ruhe, perfekter Renneinteilung und einer unwiderstehlichen Laufleistung gewann er nicht nur den Ironman Hawaii, er schrieb Geschichte.
In 8:03:56 Stunden unterbot Alexander den seit 1996 bestehenden Streckenrekord des Belgiers Luc Van Lierde um zwölf Sekunden und krönte damit seine dritte Krönung in Kona (nach 2008 und 2009). Sein Sieg war mehr als nur ein weiterer Triumph: Es war der Höhepunkt einer australischen Ära, die den Ironman Hawaii über Jahre prägte.
Andreas Raelert – ein Kämpfer mit Platzwunde
Für Andreas Raelert war dieses Rennen ein Meisterstück an Leidensfähigkeit.Bereits beim Schwimmen kassierte der Rostocker einen Schlag eines Konkurrenten, der ihm eine blutende Platzwunde über dem Auge bescherte.Doch aufgeben kam für ihn nicht infrage, im Gegenteil.
Nach der Hälfte des Marathons kam Raelert bis auf zweieinhalb Minuten an Crowie heran und sorgte für ein Gänsehaut-Finish auf der Ali’i Drive. Doch das hohe Tempo forderte seinen Tribut: Auf den letzten Kilometern musste er den heranstürmenden Pete Jacobs ziehen lassen und beendete das Rennen in 8:11:07 Stunden als Dritter, seine persönliche Bestzeit auf Hawaii.
Hinter ihm folgten Dirk Bockel (4.) und Timo Bracht (5.), der Schweizer Mike Aigroz erkämpfte sich Platz sechs, Andreas Böcherer finishte als Achter und Faris Al-Sultan, der Sieger von 2005, komplettierte mit Platz zehn die starke deutschsprachige Bilanz.
Chrissie Wellington – Triumph trotz Schmerz
Bei den Frauen spielte sich ein ebenso dramatisches Duell ab. Die Britin Chrissie Wellington, bereits dreifache Siegerin, war angeschlagen angetreten, mit Rippenverletzungen, die sie sich Wochen zuvor beim Sturz im Training zugezogen hatte. Doch Kona kennt keine Gnade, und Wellington kämpfte sich mit eisernem Willen durch Wind, Schmerz und Zweifel.
Am Ende triumphierte sie zum vierten Mal, mit nur 109 Sekunden Vorsprung auf Mirinda Carfrae, die trotz eines neuen Laufstreckenrekords der Frauen nicht an Wellington vorbeikam. Zwei unterschiedliche Athletinnen, vereint durch dieselbe Entschlossenheit.
Starke Frauen, starke Nationen
Hinter dem britisch-australischen Spitzenduell zeigte sich die europäische Klasse: Die Schweizerinnen Caroline Steffen und Karin Thürig belegten die Plätze fünf und sechs, während Sonja Tajsich als beste deutsche Frau auf Rang sieben einlief, eine kämpferische Leistung in einem der härtesten Frauenrennen der Ironman-Geschichte.
2012 – Der geplatzte Armstrong-Traum, Raelerts Familienduell und Kienles bitteres Debüt
2012 begann mit einem medialen Paukenschlag und endete mit einem sportlichen Feuerwerk auf Big Island. Zwischen einem spektakulär gescheiterten Promi-Comeback, einem emotionalen Bruderduell und einem jungen Deutschen, der trotz Pech für Aufsehen sorgte, schrieb der Ironman Hawaii erneut Geschichte, mit allen Höhen und Tiefen, die Kona so einzigartig machen.
Der große Bluff – Lance Armstrong und der geplatzte Traum von Kona
Im Februar 2012 platzte eine Nachricht in die Triathlonwelt, die alles andere überstrahlte: Die World Triathlon Corporation (WTC) gab bekannt, dass Lance Armstrong, der siebenfache Tour-de-France-Sieger, künftig auf der Ironman-Bühne antreten werde, inklusive Start beim Ironman Hawaii.
Im Gegenzug soll Armstrong laut Medienberichten eine Million US-Dollar garantiert bekommen haben, ein PR-Coup, der den Ironman in nie dagewesene Schlagzeilen brachte.
Doch der Traum währte kurz: Nur wenige Monate später erhob die USADA offiziell Dopingvorwürfe, die WTC strich Armstrong aus sämtlichen Startlisten und der Texaner verlor nicht nur seine Tour-Titel, sondern erhielt auch eine lebenslange Sperre.
Ein Kapitel, das nicht nur Armstrongs, sondern auch den Ironman kurzzeitig ins Rampenlicht der Skandale rückte und zeigte, dass Kona keine Abkürzungen duldet, egal wie prominent der Name.
Die Raelert-Brüder – Stärke, Stolz und Schicksal
Auf der sportlichen Bühne stand 2012 ganz im Zeichen der Raelert-Brothers: Andreas und Michael Raelert, zwei Brüder aus Rostock, die gemeinsam an den Start gingen, vereint im Traum von Hawaii.
Doch für den älteren Andreas begann das Rennen denkbar schlecht: Bereits beim Schwimmen verlor er ungewöhnlich fünf Minuten auf die Spitze. Ein Rückstand, der auf Hawaii oft auch das Aus bedeutet.
Doch Raelert kämpfte, Kilometer für Kilometer. Mit einem bärenstarken Marathon arbeitete er sich durch das Feld und eroberte am Ende Platz zwei. Nur Pete Jacobs, ein weiterer Australier in der langen Reihe von Kona-Siegern, war an diesem Tag besser.
Hinter Raelert komplettierten Frederik Van Lierde (3.), sowie die Deutschen Sebastian Kienle (4.), Faris Al-Sultan (5.) und Timo Bracht (6.) ein atemberaubendes Verfolgerfeld. Dirk Bockel rundete mit Platz zehn die deutschsprachige Top-Leistung ab.
Sebastian Kienle – ein Debüt zwischen Genie und Pech
Besonders Sebastian Kienle sorgte bei seinem ersten Start auf Hawaii für Aufsehen. Der damals 28-Jährige aus Mühlacker lag auf der Radstrecke bereits in Führung, bis ihn ein Reifendefekt ausbremste.
Was hätte werden können, blieb Spekulation. Doch Kienle bewies, dass er das Zeug zum Champion hatte. Frustriert, aber kampfstark, kam er als Vierter ins Ziel und Kona hatte einen neuen Publikumsliebling.
Leanda Cave – britischer Doppelschlag auf hawaiianischem Asphalt
Bei den Frauen schrieb Leanda Cave Geschichte: Die Britin, im selben Jahr bereits Weltmeisterin auf der Ironman-70.3-Distanz, krönte sich auch auf Big Island zur Königin von Kona.
In 9:15:54 Stunden überholte sie auf den letzten Kilometern die lange führende Caroline Steffen und sicherte sich ihren ersten Hawaii-Sieg. Damit feierten die Britinnen nach Chrissie Wellington und Leanda Cave gleich zwei Weltmeisterinnen in Serie. Ein goldenes Zeitalter für den britischen Triathlon.
Deutsche Stärke bei den Frauen – knapp vorbei am Podium
Auch bei den Frauen glänzte das deutsche Team. Sonja Tajsich zeigte mit einem Marathon unter drei Stunden, der zehntschnellsten Laufzeit aller Zeiten auf Hawaii, ein außergewöhnliches Rennen.
Nur 64 Sekunden trennten sie am Ende von der Bronzemedaille, Platz vier, aber eine Leistung, die Respekt und Bewunderung hinterließ.
Die Schweizerin Natascha Badmann, Ikone und sechsfache Hawaii-Siegerin, sorgte mit der schnellsten Radzeit für ein weiteres Highlight und belegte am Ende Platz sechs. Ein Beweis, dass ihre Leidenschaft auch nach all den Jahren ungebrochen war.
2013 – Das Ende der australischen Dominanz und ein Triumph in Geduld
Nach Jahren australischer Vorherrschaft erlebte Kona 2013 einen Wechsel an der Spitze. Ein Belgier, der klug taktiert statt wild attackiert, ein Deutscher, der aufs Podium stürmt, und eine Australierin, die Geschichte schreibt. Das Jahr 2013 wurde zum Sinnbild dafür, dass beim Ironman Hawaii nicht nur Kraft, sondern auch Köpfchen gewinnt.
Frederik Van Lierde – der stille Stratege aus Belgien
Während in den Vorjahren die australischen Asse den Mythos von Kona dominierten, bewies Frederik Van Lierde, dass Geduld und Präzision der Schlüssel zum Sieg sein können. Er fuhr kein spektakuläres Rennen, suchte nie die Offensive, doch er blieb stets in Schlagdistanz zur Spitze und wartete auf den richtigen Moment.
Auf dem Rückweg vom Natural Energy Lab, dort, wo viele Träume in der Hitze des Asphalts zerbrechen, sammelte der Belgier erst Sebastian Kienle, dann den Australier Luke McKenzie ein. Mit ruhigem Schritt und eisernem Fokus lief Van Lierde in 8:12:29 Stunden zum Sieg und beendete damit die sechsjährige australische Siegesserie.
Hinter ihm kämpften McKenzie und Kienle, die gemeinsam mit dem US-Amerikaner Andrew Starykowicz eine der schnellsten Radzeiten der Hawaii-Geschichte fuhren, um die Plätze. Am Ende wurde Kienle Dritter und McKenzie Zweiter.
Die Deutschen Timo Bracht und Faris Al-Sultan komplettierten das starke Feld mit Platz neun und zehn. Ein weiterer Beweis, dass Kona längst auch deutschsprachiges Terrain geworden war.
Mirinda Carfrae – eine Australierin schreibt erneut Geschichte
Bei den Frauen war es dann doch wieder eine Australierin, die den Tag bestimmte: Mirinda Carfrae, die schon 2010 gesiegt hatte, meldete sich mit einem eindrucksvollen Comeback zurück und krönte sich zur zweifachen Ironman-Weltmeisterin.
In 8:52:14 Stunden unterbot sie den Streckenrekord von Chrissie Wellington um fast zwei Minuten und machte mit einem fabelhaften Marathon den Unterschied. Ihre Landsfrauen Rachel Joyce und Liz Blatchford konnten nur zusehen, wie Carfrae sie auf der Laufstrecke förmlich davonflog.
Die Schweizerin Caroline Steffen kämpfte tapfer,doch Magenprobleme warfen sie auf Platz vier zurück.
Beste Deutsche wurde Kristin Möller als Sechzehnte, direkt hinter der sechsfachen Siegerin Natascha Badmann, die mit 46 Jahren erneut unter den Top 20 der Welt finishte. Eine sportliche Lebensleistung, die höchsten Respekt verdient.
Die Athleten von Kona – Erfahrung als Stärke
Das Teilnehmerfeld 2013 war geprägt von Routine, nicht von jugendlichem Übermut. Das Durchschnittsalter der Männer lag bei 42 Jahren, das der Frauen bei 40. Ein Beweis dafür, dass der Ironman Hawaii kein Rennen für ungestüme Draufgänger ist, sondern für gereifte Kämpfer, die wissen, wie man den Schmerz liest.
2014 – Kienles Triumph, Frodenos Debüt und ein Herz, das Geschichte schrieb
2014 war das Jahr, in dem Deutschland das Rennen auf Hawaii dominierte wie selten zuvor, in Zahlen, in Leistung und im Herzen. Mit neun deutschen Profis bei den Männern und drei bei den Frauen stellte das deutsche Team gemeinsam mit Australien die stärkste Nation im Feld. Doch im glühenden Wind der Lavafelder sollte einer besonders glänzen: Sebastian Kienle, der „Mann aus dem Kraichgau“, krönte sich mit einem legendären Sieg zum neuen König von Kona.
Sebastian Kienle – der eiserne Europameister wird Weltmeister
Was sich bei der Ironman European Championship in Frankfurt bereits angedeutet hatte, wurde auf Hawaii zur Krönung einer ganzen Karriere: Sebastian Kienle gewann den Ironman Hawaii 2014. Als erster Deutscher seit Normann Stadlers Triumph 2006.
Kienle dominierte das Rennen von der Radstrecke an. Mit kraftvollem Tritt und kontrolliertem Kopf ließ er der Konkurrenz kaum Raum. Seine typische Mischung aus Aggression und Präzision brachte ihn an die Spitze und ins Ziel als neuer Ironman-Weltmeister in 8:14:18 Stunden.
Hinter ihm lief der US-Amerikaner Ben Hoffman auf Platz zwei, doch die Schlagzeilen gehörten auch einem weiteren Deutschen: Jan Frodeno, Olympiasieger von 2008, gab auf Hawaii sein Langdistanz-Debüt und kämpfte sich, trotz einer Radpanne und einer Zeitstrafe, in 8:20:32 Stunden auf das Podium.
Damit war klar: Die neue Generation deutscher Triathleten war angekommen und Kona hatte zwei neue Helden.
Deutsche Stärke wie selten zuvor
Die Tiefe im deutschen Team war beeindruckend: Nils Frommhold wurde Sechster, Maik Twelsiek belegte Platz elf, Ronnie Schildknecht (SUI) folgte auf Platz zwölf, Michael Weiss (AUT) wurde Sechzehnter und Boris Stein rundete das starke deutsche Ergebnis mit Platz zwanzig ab.
Faris Al-Sultan, der 2005 selbst Geschichte schrieb, war im Frühjahr Vater geworden und trat ein letztes Mal in Kona an, doch 2014 kam er nicht ins Ziel. Ein halbes Jahr später verkündete er seinen Rücktritt vom Leistungssport. Dreizehn Starts, neun Top-Ten-Platzierungen. Eine Karriere, die wie kaum eine andere für die deutsche Kona-Tradition steht.
Mirinda Carfrae und Daniela Ryf – ein Duell auf Weltklasse-Niveau
Bei den Frauen war es erneut Mirinda Carfrae, die mit einem meisterhaften Lauf das Rennen zu ihren Gunsten drehte. In einem von der Schweizerin Daniela Ryf lange dominierten Duell machte die Australierin auf der Marathonstrecke alles klar und verteidigte ihren Titel zum dritten Mal.
Hinter den beiden Powerfrauen lief Caroline Steffen auf Platz fünf, Julia Gajer, stark und konstant, als Sechste ins Ziel. Das Frauenfeld war 2014 eines der härtesten in der Geschichte von Kona und Europa war die treibende Kraft darin.
Ein Herz aus Stahl – Elmar Sprinks unglaubliche Geschichte
Doch die bewegendste Geschichte des Jahres kam von einem, der nicht um Titel kämpfte, sondern um das Leben selbst: Elmar Sprink aus Köln.
Nur zwei Jahre nach einer Herztransplantation stand er in Kona an der Startlinie und überquerte die Ziellinie nach 12 Stunden und 30 Minuten. Damit wurde Sprink der erste Mensch weltweit, der den Ironman Hawaii nach einer Herztransplantation erfolgreich absolvierte.
Ein stiller Moment, der das laute Jubeln überstrahlte. Ein Beweis, dass der Geist des Ironman größer ist als jeder Sieg.
2015 – Frodenos perfektes Jahr, Raelerts Comeback und das Ende einer Ära
2015 war ein Jahr, in dem sich der Ironman Hawaii einmal mehr neu erfand, auf und neben der Strecke. Während ein Deutscher Sportgeschichte schrieb, beendeten Gesetzgeber und Investoren gleich mehrere Kapitel in der langen Geschichte der Marke Ironman. Kona stand im Zeichen des Wandels und eines Triathleten, der alle Dimensionen sprengte: Jan Frodeno.
Das Ende der Lotterie und der Verkauf einer Legende
Ein Stück Ironman-Tradition fand 2015 sein Ende. Im Mai entschieden die Justizbehörden von Florida, dass die seit 1983 bestehende Ironman-Lotterie nicht rechtmäßig war. Der Grund: Die Teilnehmer gewannen keinen direkten Startplatz, sondern nur das Recht, diesen für zusätzliche 850 US-Dollar zu erwerben.
Die World Triathlon Corporation (WTC) musste 2,76 Millionen US-Dollar Bußgeld zahlen. Den Gewinn aus der Lotterie seit 2012 und kündigte an, das Verfahren ab 2016 einzustellen.
Nur wenige Monate später folgte der nächste Paukenschlag: Die damalige Eigentümerin Providence Equity verkaufte die WTC für 650 Millionen US-Dollar an den chinesischen Investor Dalian Wanda Group.
Parallel dazu passte die WTC ihr Regelwerk wieder an das der ITU an. Die seit 2004 verkürzte Drafting-Zone wurde zurück auf zehn Meter verlängert. Ein Schritt zurück zu mehr Fairness, aber auch zu den Wurzeln des Sports.
Jan Frodeno – der Mann, der alles gewann
Auf der Strecke dominierte ein Name, der das Gesicht des Triathlons verändern sollte: Jan Frodeno. Der Olympiasieger von 2008 war bei seinem zweiten Start auf Hawaii von Beginn an in der Spitzengruppe zu finden.
Auf der Radstrecke lieferte er sich ein packendes Duell mit Sebastian Kienle, dem Titelverteidiger, ehe er sich auf dem Marathon mit seinem typischen Mix aus Präzision und Gelassenheit absetzte.
In 8:14:39 Stunden triumphierte Frodeno auf der Ali’i Drive und schrieb Geschichte: Er wurde der erste Olympiasieger, der auch den Ironman Hawaii gewann, der fünfte deutsche Champion auf Big Island und der erste Athlet, dem das „Triple“ gelang. Sieg bei der Ironman European Championship in Frankfurt, der Ironman 70.3-Weltmeisterschaft und in Kailua-Kona, alles in einem Jahr.
Andreas Raelert – ein Kämpfer schreibt sein Comeback
Hinter Frodeno sorgte Andreas Raelert für das emotionale Highlight des Tages. Nach zwei schwierigen Jahren war der Rostocker nicht unter den Favoriten, doch Kona liebt Comebacks.
Eine Radpanne warf ihn zunächst zurück, doch mit der zweitschnellsten Laufzeit des Tages kämpfte er sich Platz um Platz nach vorn und sicherte sich schließlich Platz zwei. Ein deutscher Doppelsieg auf Hawaii, wie ihn die Triathlonwelt noch nie gesehen hatte.
Sebastian Kienle, im Vorjahr selbst Champion, musste auf der Laufstrecke Tribut zollen und belegte Platz acht. Der Spätqualifizierte Boris Stein komplettierte das deutsche Top-Ergebnis mit Rang zehn.
Daniela Ryf – die Geburt einer neuen Königin
Bei den Frauen kündigte sich der Beginn einer neuen Ära an: Die Schweizerin Daniela Ryf dominierte das Rennen von Beginn an und profitierte vom Ausstieg der Titelverteidigerin Mirinda Carfrae auf der Radstrecke.
Ryf ließ nichts anbrennen, kontrollierte das Feld und feierte einen überlegenen Sieg. Den siebten Erfolg einer Schweizerin auf Hawaii, mit satten dreizehn Minuten Vorsprung auf Rachel Joyce (GBR). Hinter ihr folgten Caroline Steffen auf Platz neun und die Österreicherin Eva Wutti auf Rang sechzehn. Beste Deutsche waren Britta Martin (17.) und Katrin Esefeld (19.), beide kämpferisch bis zum letzten Meter.
2016 – 40 Jahre Ironman Hawaii: Ein deutsches Triple, ein Schweizer Rekord und ein Sieg der Menschlichkeit
Vier Jahrzehnte Ironman Hawaii und die Jubiläumsausgabe schrieb Geschichte. Was 1978 mit 15 wagemutigen Athleten begann, wurde 2016 zum Schauplatz eines der größten Triathlon-Momente aller Zeiten: Ein deutscher Dreifachsieg, ein neuer Streckenrekord bei den Frauen und eine Geschichte, die bewies, dass der Ironman mehr ist als nur ein Rennen, er ist ein Symbol für Willenskraft.
Jan Frodeno – der doppelte Champion
Jan Frodeno krönte sich 2016 endgültig zur Legende. In 8:06:30 Stunden triumphierte der Olympiasieger von 2008 und wurde der erste deutsche Athlet, der den Ironman Hawaii zweimal in Folge gewinnen konnte.
Was sich viele erhofft hatten, wurde Wirklichkeit: Das mit Spannung erwartete Duell Frodeno gegen Kienle wurde zum emotionalen Höhepunkt des Tages. Kienle kam mit vier Minuten Rückstand aus dem Wasser, eine Hypothek, die er auf der Radstrecke mit einem atemberaubenden Tempo fast vollständig wettmachte. Er setzte sich an die Spitze, doch Frodeno blieb cool.
In der Wechselzone überholte er Kienle erneut, ein symbolischer Moment. Aber Kienle gab nicht auf, lief auf und suchte den Schulterschluss. Die beiden liefen Seite an Seite, Schulter an Schulter, scherzend, fast freundschaftlich. Zwei Rivalen, geeint durch den Respekt für das, was dieser Ort verlangt.
Doch nach 20 Kilometern machte Frodeno ernst. Mit kontrollierter Kraft zog er davon, baute seinen Vorsprung auf dreieinhalb Minuten aus und sicherte sich seinen zweiten Titel auf Big Island. Ein Sieg, der sportliche Präzision und mentale Stärke perfekt vereinte.
Sebastian Kienle finishte in 8:10:02 Stunden als Zweiter und Patrick Lange, der Debütant aus Deutschland, überquerte in 8:11:14 Stunden die Ziellinie als Dritter. Damit feierte Deutschland nach 1997 erneut einen Dreifachsieg.
Und Lange sorgte für ein weiteres Highlight: Mit 2:39:45 Stunden unterbot er den legendären Laufrekord von Mark Allen aus 1989, auch wenn die Strecke heute etwas anders verläuft. Andreas Böcherer (5.) und Boris Stein (7.) rundeten das deutsche Glanzjahr ab.
Daniela Ryf – die Königin von Kona
Was Jan Frodeno bei den Männern gelang, vollbrachte Daniela Ryf bei den Frauen mit einer Demonstration der Dominanz.
In 8:46:46 Stunden stellte die Schweizerin einen neuen Streckenrekord auf und wartete im Ziel ganze 23 Minuten auf ihre härteste Konkurrentin, die Australierin Mirinda Carfrae, die als eine der besten Läuferinnen der Szene gilt.
Doch Ryf war in jeder Disziplin unerreichbar. Sie pulverisierte die Konkurrenz bereits auf dem Rad und legte sogar auf der Laufstrecke noch nach. Die Amerikanerin Heather Jackson komplettierte das Podium als Dritte.
Die Deutsche Anja Beranek aus Fürth bestätigte ihre starke Saison und lief als Vierte über die Ziellinie. Ein Ergebnis, das ihren EM-Titel über die 70.3-Distanz unterstrich.
Natascha Badmann – Ein letzter Tanz auf Big Island
Es war der Moment, in dem sich eine Ära leise verabschiedete. Natascha Badmann, die „Smile Queen“ von Kona, kehrte 2016 ein letztes Mal an den Ort zurück, der sie zur Legende gemacht hatte. Sechsmal hatte sie hier triumphiert, die Hitze bezwungen, den Wind besiegt und mit ihrem Lächeln die Herzen der Zuschauer erobert.
Fast 50-jährig stellte sie sich noch einmal der Herausforderung, wohlwissend, dass die Zeit gegen sie spielte. In 10:20 Stunden erreichte sie das Ziel, Platz 34, weit entfernt von den Zeiten ihrer goldenen Jahre, aber getragen von der gleichen Leidenschaft wie eh und je.
Ihr 18. Start auf Hawaii war mehr als ein Rennen. Es war ein Abschied voller Würde, ein Dank an den Mythos, den sie selbst mitgeprägt hatte. Als sie über die Ziellinie lief, wusste jeder: Hier verabschiedete sich keine Verliererin, sondern eine Ikone des Sports.
Turia Pitt – Mut, der über alles hinausgeht
Doch die bewegendste Geschichte des Jubiläumsjahres schrieb keine Siegerin. Turia Pitt, einst bei einem Ultramarathon in Australien von einem Buschfeuer eingeschlossen, überlebte mit Verbrennungen an 65 % ihres Körpers. Zwei Jahre im Krankenhaus, unzählige Operationen und nun: das Ziel auf der Ali’i Drive.
Mit speziell angepasster Ausrüstung, Kühlkleidung gegen die hawaiianische Hitze und unbändigem Willen finishte sie in 14:37:30 Stunden. Es war ihr zweiter Ironman nach Australien im Mai desselben Jahres. Doch dieser hatte eine tiefere Bedeutung: ein persönlicher Sieg über Schmerz, Angst und Grenzen.
2017 – Patrick Langes Triumphlauf, Frodenos Leid und Ryfs dritte Krönung
2017 war ein Jahr, das alles bot, was den Mythos Ironman Hawaii ausmacht: Rekorde, Dramen und Emotionen, die selbst die Wellen der Kailua Bay übertönten. Während ein Deutscher Geschichte schrieb, kämpfte ein anderer Held mit seinem Körper und eine Schweizerin untermauerte ihren Status als Königin von Kona.
Patrick Lange – ein Rennen für die Geschichtsbücher
Mit Cameron Wurf, Lionel Sanders und Sebastian Kienle unterboten gleich drei Athleten den bisherigen Streckenrekord auf der Radstrecke. Doch das hohe Tempo forderte seinen Preis. Auf dem Marathon zahlten sie alle dafür.
Nur einer blieb unaufhaltsam: Patrick Lange. Der 31-jährige Deutsche, im Vorjahr bereits Dritter, lief mit kühlem Kopf und brennendem Herzen von Platz neun aus das Rennen seines Lebens. Einen Gegner nach dem anderen holte er ein, und schließlich, wenige Kilometer vor dem Ziel auf dem legendären Ali’i Drive auch den führenden Lionel Sanders.
Mit 8:01:40 Stunden stellte Lange einen neuen Streckenrekord auf und unterbot die Bestmarke von Craig Alexander (2011) um mehr als zwei Minuten. Damit verpasste er die Acht-Stunden-Marke nur um hundert Sekunden. Doch das spielte keine Rolle mehr: Kona hatte seinen neuen Champion.
Im Ziel sank Lange auf die Knie, schlug die Hände vors Gesicht und ließ seinen Emotionen freien Lauf. Tränen der Erleichterung, Tränen des Triumphs.
Für Lange war es erst der zweite Start auf Hawaii und insgesamt sein vierter Ironman überhaupt. Schon 2016 hatte er mit seiner Marathonzeit von 2:39:45 Stunden einen Rekord aufgestellt. Nun war er der sechste deutsche Sieger auf Big Island, nach Frodeno, Kienle, Stadler, Al-Sultan und Hellriegel.
Sebastian Kienle kämpfte sich mit einer starken Leistung in 8:09:59 Stunden auf Platz vier und bewies einmal mehr, dass er auf Hawaii immer vorn dabei ist.
Jan Frodeno – Ein Champion kämpft mit sich selbst
Für Titelverteidiger Jan Frodeno wurde das Rennen zur persönlichen Prüfung. Bereits bei Kilometer fünf des Marathons zwangen ihn Rückenschmerzen in die Knie. Er ging, blieb stehen, hielt sich den Rücken und hockte sich schließlich an den Straßenrand.
Seine Frau Emma kam zu ihm, redete auf ihn ein. Aufgeben? Keine Option. Frodeno kämpfte weiter. Langsam, gehend, laufend, getragen vom Willen, die Ziellinie zu erreichen.
Nach 9:15:44 Stunden schleppte sich der zweifache Hawaii-Sieger ins Ziel. „Es war ein harter Tag“, sagte er später. „Mein Rücken hat einfach nicht mitgespielt.“ Ein Champion, der fiel und sich dennoch erhob.
Daniela Ryf – die Dritte im Bunde
Auch bei den Frauen schrieb Daniela Ryf weiter an ihrer eigenen Legende. Die Schweizerin dominierte 2017 zum dritten Mal in Folge und gewann in 8:50:47 Stunden, mit sattem Vorsprung auf die Konkurrenz.
Doch der Tag begann anders: Beim Schwimmen bestimmte Lucy Charles das Tempo. Gemeinsam mit Lauren Brandon schwamm sie Schulter an Schulter durch die Kailua Bay und setzte sich im finalen Sprint in 48:48 Minuten als Erste durch. Nur fünf Sekunden über dem Streckenrekord. Daniela Ryf stieg mit 53:10 Minuten als Achte aus dem Wasser, doch auf dem Rad zeigte sie, warum man sie die „Angry Bird“ nennt.
Meile um Meile schmolz der Rückstand und nach 160 Kilometern flog sie an der Spitze vorbei.
Nach 4:53:10 Stunden erreichte sie die Wechselzone als Führende und baute auf der Laufstrecke ihren Vorsprung weiter aus. Im Energy Lab lag sie bereits über sieben Minuten vor Lucy Charles, die ein starkes Rennen auf Platz zwei beendete. Dritte wurde die Australierin Sarah Crowley, die sich gegen Heather Jackson durchsetzte.
2018 – Amazon steigt ein, Lange knackt die Acht Stunden und Ryf läuft Rekorde
Fünf Wochen vor dem großen Showdown platzte die nächste Schlagzeile in die Triathlonwelt: Amazon wurde neuer Titelsponsor. Plötzlich trug das Jubiläumsrennen den klingenden Namen „Ironman World Championship brought to you by Amazon“. Ein Zeichen dafür, wie groß der Mythos Ironman Hawaii längst geworden war: sportlich, medial und wirtschaftlich.
Doch am 13. Oktober 2018 ging es wie immer um das Wesentliche: Wer kann Kona bezwingen?
Patrick Lange – der Mann, der die Acht-Stunden-Mauer sprengt
Patrick Lange lieferte eine Vorstellung, die man auf Big Island nicht vergisst. Er verteidigte seinen Titel und setzte noch einen drauf: Mit 7:52:39 Stunden blieb er als erster Sieger in Kona unter der Acht-Stunden-Marke. Wieder Streckenrekord. Wieder Gänsehaut.
Und er war nicht allein in dieser neuen Dimension: Bart Aernouts zog mit 7:56:41 Stunden ebenfalls unter acht Stunden ins Ziel. Kona hatte plötzlich ein neues Tempo und das fühlte sich an wie ein Blick in die Zukunft.
Daniela Ryf – Quallen, Rückstand, Rekord
Bei den Frauen machte Daniela Ryf das, was sie am besten kann: ein Rennen drehen, bis es ihr gehört. Beim Schwimmen hatte sie Kontakt mit Quallen, kam neun Minuten nach der schnellsten Schwimmerin aus dem Wasser, eine ungewohnte Ausgangslage für die Königin der Kontrolle. Doch dann begann Ryfs Arbeitstag. Kilometer für Kilometer holte sie auf, übernahm die Führung und gewann am Ende mit einem weiteren Ausrufezeichen: 8:26:16 Stunden – neuer Streckenrekord bei den Frauen. Titel verteidigt. Kona wieder regiert.
Warum 2018 so schnell war
2018 war ein Rekordjahr und es hatte Gründe. Der Marathon verlief über eine leicht veränderte Laufstrecke, und auf dem Rad herrschten nahezu perfekte Windbedingungen. Das Ergebnis: Zeiten, die früher wie Science-Fiction klangen.
Auf der Radstrecke blieben fünf Männer und sechs Frauen unter der bisherigen Bestmarke. Bei den Frauen ist der Effekt bis heute sichtbar: Neun Athletinnen aus 2018 stehen inzwischen in den Top 10 der schnellsten Radfahrerinnen in Kona.
2019 – Ein deutscher Doppelschlag und ein bitteres Drama
Der 12. Oktober 2019 wurde zu einem dieser Kona-Tage, die man nicht vergisst. Zum ersten Mal in der Geschichte des Ironman Hawaii gingen beide Titel nach Deutschland: Anne Haug gewann bei den Frauen, Jan Frodeno bei den Männern. Ein Doppelschlag, der zeigte, wie tief der deutsche Triathlon inzwischen in der DNA von Big Island steckt.
Jan Frodeno – der dritte Titel und ein neuer Rekord
Jan Frodeno, der gebürtige Kölner, lieferte ein Rennen wie aus einem Guss. Ruhig, präzise, gnadenlos effizient und am Ende schneller als je ein Mann vor ihm in Kona. Mit 7:51:45 Stunden stellte er einen neuen Streckenrekord auf und feierte seinen dritten Sieg auf Big Island. Im Ziel war Frodeno sichtlich überwältigt. Kona schafft es eben immer noch, selbst die größten Champions zu berühren.
Das Podium der Männer:
Jan Frodeno (Deutschland): 7:51:45 (00:47:31 / 04:16:02 / 02:43:15)
Tim O'Donnell (USA): 7:59:40 (00:47:38 / 04:18:11 / 02:49:44)
Sebastian Kienle (Deutschland): 8:02:08 (00:52:17 / 04:15:04 / 02:50:00)
Anne Haug – Deutschlands Krönung bei den Frauen
Bei den Frauen setzte Anne Haug den zweiten goldenen Stempel unter dieses deutsche Märchen. Konzentriert, kontrolliert und bärenstark auf der Laufstrecke holte sie sich den Titel und machte 2019 endgültig zum Jahr, in dem Kona deutsch sprach.
Das Podium der Frauen:
Anne Haug (Deutschland): 8:40:10 (00:54:09 / 04:50:17 / 02:51:07)
Lucy Charles-Barclay (Großbritannien): 8:46:44 (00:49:02 / 04:47:20 / 03:05:59)
Sarah Crowley (Australien): 8:48:13 (00:54:05 / 04:50:13 / 02:59:2)
Patrick Lange – der Tag, an dem der Körper stoppte
Doch 2019 hatte nicht nur Siegergeschichten. Es hatte auch dieses Kona-Drama, das man nicht planen kann: Patrick Lange, der Titelverteidiger, ging trotz Fieber an den Start, lag nach dem Schwimmen noch vorn dabei und musste auf dem Rad abbrechen. Schwindel, schwarze Punkte vor den Augen, Ende. Hawaii ist kompromisslos. Und manchmal entscheidet nicht der Kopf, sondern der Körper.



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