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Der Mythos Ironman Hawaii – Die Geschichte der Eisenmänner | Teil 3

  • Autorenbild: HHT Team
    HHT Team
  • vor 4 Tagen
  • 20 Min. Lesezeit

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Die 2000er Jahre markieren ein neues Kapitel in der Geschichte des Ironman Hawaii. Es war eine Ära des rasanten Wachstums, der Professionalisierung und der globalen Expansion. Was einst als legendärer Wettkampf einiger weniger Ausdauerverrückter begann, entwickelte sich nun zu einer internationalen Marke mit Strahlkraft auf allen Kontinenten.


Mit der Einführung der Ironman 70.3 Serie hat die World Triathlon Corporation (WTC) den Nerv der Zeit getroffen. Plötzlich gab es eine Bühne für ehrgeizige Athleten und eine Distanz, die den Sport für viele zugänglicher machte. Die Szene boomte: immer mehr Rennen, volle Startlisten, steigende Startgelder und eine wachsende Präsenz in den Medien. Zwischen 2002 und 2008 hat sich die Zahl der Teilnehmer weltweit fast verdoppelt. Das ist ein klares Zeichen, dass Triathlon seinen Weg aus der Nische in den Mainstream gefunden hat.


Auch sportlich glänzte dieses Jahrzehnt: Deutsche Athleten wie Faris Al Sultan und Normann Stadler schrieben Geschichte auf Hawaii, während internationale Stars wie Heather Fuhr neue Maßstäbe setzten und Rekorde purzelten. Der Mythos Ironman Hawaii lebte weiter, stärker, professioneller und internationaler als je zuvor.



2000 – Der Mythos Ironman startet ins digitale Zeitalter


Das Jahr 2000 markierte nicht nur den Beginn eines neuen Jahrtausends, es war auch ein Wendepunkt für den Ironman Hawaii. Ein Jahr, in dem alte Helden zurückkehrten, neue Gesichter auf sich aufmerksam machten und der Mythos Kona endgültig im digitalen Zeitalter ankam.


Peter Reid, der ruhige Kanadier an der Spitze

Er war kein Mann der großen Worte, sondern einer der stillen Entschlossenheit: Peter Reid aus Kanada bewies 2000 einmal mehr, dass Präzision und Geduld auf Hawaii wichtiger sind als rohe Kraft. Mit einem klugen, gleichmäßigen Rennen sicherte er sich, nach seinem Triumph 1998, seinen zweiten Sieg auf Big Island. Reid war kein Showman, aber er war die Verkörperung der Kona-Disziplin: unaufgeregt, kontrolliert und effizient.



Luc Van Lierde, das Rätsel von Kona

Für Schlagzeilen sorgte jedoch ein anderer: Luc Van Lierde, Sieger von 1996 und 1999, Zweiter 1998 und einer der größten Namen des Sports. Nur zwei Tage vor dem Start sagte der Belgier überraschend seine Teilnahme ab.


Die Gerüchteküche brodelte: Wenige Tage zuvor hatte die WTC verschärfte Dopingkontrollen angekündigt. So begann das Flüstern im Fahrerlager. Van Lierde selbst äußerte sich nie ausführlich zu den Gründen. Doch die plötzliche Absage warf lange Schatten und befeuerte die Diskussion über Transparenz und Kontrolle im Profisport.


Bei seinen späteren Starts auf Hawaii 2001 und 2003 musste Van Lierde jeweils aufgeben, erst 2007 kehrte er zurück und wurde Siebter.


Udo Bölts entdeckt den Mythos Ironman

Ein weiterer Name sorgte im Jahr 2000 für Schlagzeilen: Udo Bölts. Der ehemalige Radprofi vom Team Telekom, einst Edelhelfer der Toursieger Bjarne Riis und Jan Ullrich, wagte den Sprung in die Triathlonwelt. Viele rechneten damit, dass er den Radstreckenrekord sofort brechen würde.


Doch Bölts ging das Rennen mit Köpfchen an, kontrolliert, diszipliniert und mit großem Respekt vor der Distanz. Nach 10:02:41 Stunden erreichte er das Ziel auf Platz 168. Sein Start sorgte für enorme mediale Aufmerksamkeit und schlug eine Brücke zwischen Radsport und Triathlon.


Deutsche Stärke in der Spitzengruppe

Auch ohne Zäck und Van Lierde war das deutsche Team stark wie selten. Normann Stadler, der junge Mann aus Heidelberg, sorgte mit einem furiosen Rennen für Aufsehen und belegte Platz drei. Sein erster Schritt hin zur späteren Weltkarriere. Hinter ihm kamen Lothar Leder auf Rang vier und Thomas Hellriegel auf Platz fünf ins Ziel. Drei Deutsche in den Top 5, ein Statement an die Weltspitze.


Bei den Frauen kämpften sich Nicole Leder (Platz 14) und Ute Mückel (Platz 15) unter die besten Fünfzehn. Eine solide Leistungen in einem stark besetzten Feld.


Der Ironman wird digital

2000 war aber auch das Jahr, in dem der Ironman Hawaii ins Internetzeitalter eintrat. Die World Triathlon Corporation (WTC) übertrug das Rennen erstmals als Live-Stream auf ihrer Webseite. Ein Meilenstein für die weltweite Triathlon-Community.


Plötzlich konnten Fans rund um den Globus live mitfiebern, als ihre Helden durch die Gluthitze von Kona kämpften. Der Ironman wurde digital, global und emotionaler denn je.



2001 – Von Amerikas Comeback bis zu deutschem Glanz auf Hawaii


2001 war das Jahr, in dem sich der Ironman Hawaii einmal mehr neu erfand. Sportlich, organisatorisch und emotional. Nach Jahren europäischer Dominanz kehrte ein Amerikaner auf den Thron zurück, während die deutschen Athleten die Zuschauer mit einer kollektiven Meisterleistung begeisterten. Und erstmals stand auch eine deutsche Frau auf dem Podium. Ein historischer Moment in der Geschichte von Kona.


Tim DeBoom, Amerikas Rückkehr an die Spitze

Seit Mark Allens letztem Triumph 1995 hatte kein US-Amerikaner mehr den Ironman Hawaii gewonnen. Doch 2001 war es endlich wieder so weit: Tim DeBoom, im Vorjahr noch Zweiter, erfüllte sich seinen Traum und brachte den Sieg zurück in die Heimat des Ironman.


Dabei lief allerdings nicht alles perfekt: Eine dreiminütige Zeitstrafe hätte ihm beinahe den Titel gekostet. Doch DeBoom behielt die Nerven, kämpfte sich zurück und finishte in einem beherzten Lauf an der Spitze. Sein Sieg war mehr als ein Erfolg, es war ein Statement: Die Amerikaner waren zurück.



Deutsche Erfolgsgeschichte auf Hawaii

Hinter DeBoom zeigten die Deutschen erneut, warum Kona inzwischen fest in ihrer Hand war. Thomas Hellriegel bewies einmal mehr seine Konstanz: Mit Platz drei stand er bereits zum vierten Mal auf dem Podest.


Normann Stadler, der junge Wilde, führte das Rennen zwischen Kilometer 80 und 160 auf dem Rad an und beendete den Tag als Vierter. Es war ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte.


Lothar Leder folgte direkt dahinter auf Platz fünf, Andreas Niedrig erkämpfte sich Rang sieben. Mit vier Deutschen in den Top Ten zeigte sich die ungebrochene Stärke der deutschen Triathleten. Während der Schweizer Christoph Mauch als Zehnter die starke DACH-Bilanz komplettierte.


Nina Kraft erobert das Podium von Hawaii

Doch das emotionalste Kapitel des Tages gehörte einer Frau: Nina Kraft aus Braunschweig. Auf dem Rad dominierte sie das Feld über 120 Kilometer, führte souverän und kämpfte sich am Ende auf Platz drei.


Damit wurde sie die erste deutsche Frau überhaupt, die beim Ironman Hawaii auf dem Podium stand. Ein historischer Moment, der die Triathlonwelt aufhorchen ließ und ein Vorgeschmack auf die Kraft, die in den kommenden Jahren von deutschen Athletinnen ausgehen sollte.


Legenden, die Abschied nahmen

2001 war aber auch ein Jahr der Abschiede und Rückschläge. Triathlon-Ikone Dave Scott wagte mit 47 Jahren ein Comeback, musste das Rennen jedoch auf der Radstrecke abbrechen. Ebenso erwischte es prominente Namen wie Peter Reid, Jürgen Zäck, Luc Van Lierde, Stefan Riesen und Katja Schumacher. Sie alle erreichten das Ziel nicht.


Kona zeigte einmal mehr: Niemand ist hier sicher, egal, wie groß der Name.


Kona im Wandel

Auch abseits des sportlichen Geschehens veränderte sich das Gesicht des Rennens. Der Wechselbereich vom Rad zum Laufen wurde auf den alten Flughafen verlegt, und sowohl die Rad- als auch die Laufstrecke erhielten eine neue Schleife durch das Stadtzentrum von Kona.


Damit konnten die Zuschauer die Athleten nun mehrfach live erleben. Ein Schritt, der den Ironman noch publikumsnäher und emotionaler machte.



2002 – Glanz im Regen von Kona


Das Jahr 2002 begann anders als gewohnt auf Big Island: Dichte Wolken, feuchte Luft, Regen am Morgen. Das Wetter, das so gar nicht zu Hawaii passen wollte. Doch auch unter diesen Bedingungen blieb der Mythos Ironman ungebrochen. Ein Amerikaner schrieb Geschichte, eine Schweizerin festigte ihre Regentschaft, und die deutschen Athleten zeigten einmal mehr, dass Kona längst fest in europäischer Hand war.



Tim DeBoom siegt erneut auf Hawaii

Im Regen von Kailua-Kona gelang Tim DeBoom das, was zuvor nur zwei Männern gelungen war: Er verteidigte seinen Titel beim Ironman Hawaii erfolgreich und trug sich damit endgültig in die Geschichtsbücher ein.


Mit Ruhe und Präzision meisterte DeBoom die ungewohnten Bedingungen, während viele seiner Gegner auf dem glitschigen Asphalt und in der schwülen Hitze Probleme bekamen. Sein Sieg machte ihn zum dritten Mann überhaupt, der in Kona eine Titelverteidigung feiern durfte. Nach Dave Scott und Mark Allen, zwei Legenden des Sports.


Deutsche Stärke im Regen von Kona

Auch die deutschen Athleten ließen sich vom Wetter nicht beirren. Thomas Hellriegel, der Kämpfer aus Bruchsal, führte das Rennen bis zur Halbzeit des Marathons an, ehe er am Ende Platz vier belegte. Alex Taubert folgte direkt dahinter auf Rang fünf, Markus Forster kämpfte sich auf Platz sieben, und Olaf Sabatschus komplettierte mit Platz zehn die beeindruckende deutsche Bilanz.


Vier Deutsche in den Top Ten. Der Beweis, dass das deutsche Triathlonwunder auf Hawaii längst kein Zufall mehr war.


Natascha Badmann begeistert mit Schweizer Präzision

Bei den Frauen war es einmal mehr die Zeit der Schweizerin Natascha Badmann. Präzise und konstant wie ein Schweizer Uhrwerk, dominierte sie das Rennen mit ihrer unverwechselbaren Ruhe und Leichtigkeit. Am Ende sicherte sie sich ihren vierten Titel. Eine Leistung, die sie endgültig in die Sphäre der ganz Großen katapultierte.


Hinter ihr sorgte Nina Kraft für ein weiteres deutsches Highlight: Mit Platz zwei wurde sie Vizeweltmeisterin und bestätigte eindrucksvoll ihren Platz unter den besten Triathletinnen der Welt.


Die Österreicherin Kate Allen, die spätere Olympiasiegerin, belegte Rang sieben, während die Schweizerinnen Karin Thürig und Sibylle Matter mit den Plätzen acht und neun die starke DACH-Präsenz auf Hawaii perfekt machten.


Mehr Preisgeld, mehr Prestige

Auch finanziell bewegte sich der Ironman Hawaii 2002 in neuen Dimensionen. Das Gesamtpreisgeld wurde von 325.000 auf 429.000 US-Dollar angehoben. Ein deutliches Zeichen des wachsenden internationalen Erfolgs. Die Sieger Tim DeBoom und Natascha Badmann erhielten jeweils 100.000 US-Dollar. Ein Rekordwert, der den Ironman weiter professionalisierte.


Gleichzeitig übernahm mit Diana Bertsch eine neue Race-Direktorin das Ruder. Sie sollte in den kommenden Jahren maßgeblich dazu beitragen, den Spirit von Kona zu bewahren und das Event weiterzuentwickeln.


Wettkampfreisen

2003 – Liebe Leidenschaft und ein Märchen auf Hawaii


Das Jahr 2003 war eines dieser Kapitel, die man im Rückblick kaum glauben mag: Regen blieb diesmal aus, dafür regnete es Emotionen. Ein Ehepaar triumphierte gemeinsam, ein deutscher Sieg lag greifbar nahe und das Frauenrennen wurde zu einem der dramatischsten der Ironman-Geschichte. Es war das Jahr, in dem sich der Mythos Ironman Hawaii um ein romantisches, aber ebenso hart umkämpftes Kapitel erweiterte.


Ein Paar schreibt Triathlongeschichte auf Hawaii

Peter Reid und Lori Bowden schrieben Triathlongeschichte: Als erstes Ehepaar überhaupt gewannen sie beide den Ironman Hawaii. Ein Doppelsieg, wie es ihn zuvor nie gegeben hatte. Und nicht nur das: Zum ersten Mal überhaupt gingen die Titel bei Männern und Frauen an Teilnehmer aus demselben Land, aber nicht aus den USA. Kanada stand ganz oben auf dem Podest.


Mit diesem Sieg reihte sich Peter Reid in eine exklusive Liste ein: Er wurde nach Dave Scott und Mark Allen der dritte Mann, der in Kona dreimal triumphierte. Für Lori Bowden war es die Vollendung eines Traums. Der Sieg, der sie endgültig zur Ironman-Ikone machte.


Das epische Frauenrennen von Hawaii

Was sich 2003 bei den Frauen abspielte, war pure Emotion. Natascha Badmann, die Königin der vergangenen Jahre, und Nina Kraft, die deutsche Hoffnung, lieferten sich ein episches Duell mit Lori Bowden, die mit einem legendären Marathonlauf am Ende alles drehte.


Nina Kraft hatte das Rennen lange dominiert. Auf der Radstrecke lag sie klar in Führung, bis sie eine umstrittene Drei-Minuten-Strafe wegen Drafting erhielt. Ein Rückschlag, der sie vorübergehend auf den dritten Platz zurückwarf.


Doch Kraft kämpfte sich zurück, übernahm nach acht Kilometern wieder die Spitze, nur um nach 15 Kilometern von Lori Bowden überholt zu werden. Bowden lief schließlich mit einem furiosen Schlussspurt ins Ziel, während Natascha Badmann und Nina Kraft nur acht Sekunden voneinander getrennt auf Platz zwei und drei folgten. Es war eines der knappsten und emotionalsten Finishes der Ironman-Geschichte.


Karin Thürig aus der Schweiz rundete mit Platz sechs das starke europäische Ergebnis ab.


Ein fast perfekter Tag für Deutschlands Ironman Elite

Bei den Männern zeichnete sich zwischenzeitlich sogar ein deutscher Doppelsieg ab. Normann Stadler, der "Norminator", führte das Rennen bis Kilometer 20 des Marathons an. Am Ende fehlten ihm nur 45 Sekunden zum Podium. Er wurde Vierter und war dennoch der emotionale Sieger vieler Fans.


Jürgen Zäck und Faris Al-Sultan folgten auf Platz sechs und sieben,Thomas Hellriegel beendete das Rennen als Elfter, erstmals außerhalb der Top Ten und damit ohne Preisgeld. Am Ende waren neun deutsche Männer unter den ersten 22.


Und auch im Wasser glänzten sie: Jan Sibbersen stieg als Erster aus dem Pazifik und stellte einen neuen Schwimmstreckenrekord auf – „First out of Water“, wie es in Kona ehrfürchtig heißt.


Thomas Hellriegel und Faris al Sultan sind seit Jahren fester Bestandteil der Hannes Hawaii Tours Community



Regeländerungen und ein legendärer Name

Hinter den Kulissen veränderte sich 2003 ebenfalls einiges. Die zweite Wechselzone wurde an das King Kamehameha Beach Hotel verlegt. Ein logistisch und visuell prägnanter Schritt.


Zudem führte die World Triathlon Corporation (WTC) für Profis eine neue Windschattenregel, die sogenannte „Stagger Rule“, ein. Sie erlaubte es den Athleten, in einer versetzten Linie zu fahren. Mit mindestens zwei Metern seitlichem Abstand. Eine Regel, die das Rennen fairer machen sollte, aber in der Praxis viel Diskussion auslöste.


Und dann war da noch ein Name, den man sich merken musste: Chris McCormack, der ehemalige Kurzdistanz-Weltmeister, erreichte in seinem zweiten Kona-Start endlich das Ziel. Wenn auch „nur“ auf Platz 114. Seine Zeit sollte noch kommen.



2004 – Triumph und Tragödie auf Hawaii


2004 wurde zu einem der prägendsten Jahre in der Geschichte des Ironman Hawaii. Es war ein Jahr zwischen Triumph, Tragödie und unvergesslichen Geschichten. Ein Deutscher erfüllte den Traum einer ganzen Nation, während ein anderer Sieg wenige Wochen später seinen Glanz verlor. Kona zeigte wieder einmal, dass Größe und Zerbrechlichkeit im Ausdauersport oft nur Sekunden voneinander entfernt liegen.



Der Norminator triumphiert auf Hawaii

Es war ein Rennen, das in die Annalen einging: Normann Stadler, der Kämpfer aus Heidelberg, attackierte früh auf dem Radkurs, wild, kompromisslos und furchtlos. Mit einer grandiosen Flucht nach vorn fuhr er der Konkurrenz regelrecht davon und wechselte mit einem Vorsprung von 20 Minuten auf die Laufstrecke.


Was danach folgte, war pure Gänsehaut. Stadler ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen und wurde als zweiter Deutscher nach Thomas Hellriegel 1997 zum Ironman-Weltmeister auf Hawaii. Sein Triumph war nicht nur sportlich, sondern auch sehr emotional. Er wurde das Symbol eines neuen Selbstbewusstseins im deutschen Triathlon.


Hinter ihm kämpften Faris Al-Sultan und Alexander Taubert lange um die Plätze zwei und drei, mussten sich am Ende aber dem starken Peter Reid, dem Vorjahressieger, geschlagen geben, der als Zweiter ins Ziel kam.


Ein weiteres Ausrufezeichen setzte Kai Hundertmarck, ehemaliger Radprofi von Team Telekom, der als schnellster Amateur und mit der zweitschnellsten Radzeit auf den 16. Gesamtrang fuhr.


Nina Kraft zwischen Triumph und Fall

Das Frauenrennen von 2004 war zunächst die perfekte deutsche Erfolgsgeschichte. Nina Kraft dominierte den Tag von Beginn an. Trotz einer vierminütigen Zeitstrafe wegen Draftings lief sie als erste Frau überhaupt unter deutscher Flagge als Siegerin über die Ziellinie. Mit über 26 Minuten Vorsprung auf die mehrfache Titelträgerin Natascha Badmann.


Doch nur drei Wochen später folgte der Schock: Kraft gab den Gebrauch von Erythropoetin (EPO) zu. Sie verlor ihren Titel, musste ihr Preisgeld zurückgeben und wurde für zwei Jahre gesperrt.


Am Ende waren es die Urbacherin Tina Walter und Nicole Leder aus Darmstadt, die als beste deutsche Frauen auf Platz neun und zehn in die Top Ten liefen und damit die Ehre des deutschen Triathlons aufrechterhielten.


Ironman Hawaii Legende Nicole Leder

Auch Nicole Leder ist nach wie vor in der Triathlon-Szene und mit Hannes Hawaii Tours als Coach und Kommentatorin bei großen Rennen aktiv.


Emotionen, Ausfälle und eiserne Willenskraft

2004 war auch ein Jahr der Extreme. Mehr als ein Viertel der Profis beendeten das Rennen nicht. Darunter auch große Namen wie Chris McCormack und Thomas Hellriegel. Insgesamt 154 Starter kamen nicht ins Ziel. Ein seltener Wert, selbst für Kona.


Doch eine Geschichte rührte die Zuschauer besonders: Der Amerikaner Christian Dadowski kollidierte mit einem Kampfrichter und beschädigte sein Rad schwer. An Aufgeben dachte er jedoch nicht. Stattdessen trug er sein Rad zwölf Kilometer weit auf den Schultern bis zur nächsten Wechselzone. Nach 16:09:48 Stunden erreichte er das Ziel. Erschöpft, aber gefeiert wie ein Held.


Kona stellt die Weichen neu

Auch organisatorisch brachte 2004 Neuerungen mit sich. Beide Wechselzonen wurden wieder an den Kailua Pier verlegt, dem symbolischen Herzstück des Ironman Hawaii.


Die im Vorjahr eingeführte „Stagger-Rule“ wurde abgeschafft. Stattdessen senkte die WTC den Mindestabstand zwischen zwei Athleten auf der Radstrecke von zehn auf sieben Meter. Zugleich erhöhte sich die Zeitstrafe für Regelverstöße von drei auf vier Minuten. Eine Entscheidung, die das Rennen noch taktischer und herausfordernder machte.



2005 – Triumph und Abschied unter der Sonne von Hawaii


2005 war ein Jahr des Wandels, der Machtspiele und eines neuen deutschen Triumphes auf Hawaii. Während hinter den Kulissen ein offener Konflikt zwischen Verbänden tobte, schrieb ein junger Münchner Sportgeschichte. Offensiv, bärtig und mit bayerischer Flagge. Es war das Jahr, in dem der Mythos Ironman Hawaii einmal mehr zeigte, dass wahre Größe nichts mit Regeln zu tun hat. Sondern mit Herz, Leidensfähigkeit und einem unerschütterlichen Willen.


Konflikt im Paradies

Hinter der glühenden Hitze von Kona knisterte es politisch: Ben Fertic hatte Lew Friedland als CEO der World Triathlon Corporation (WTC) abgelöst. Und kaum war er im Amt, verschärfte sich der alte Konflikt mit der International Triathlon Union (ITU) erneut.


Die WTC behielt nicht nur die 2004 eingeführte Verkürzung des Drafting-Abstands von zehn auf sieben Meter bei, sondern ging noch weiter: Sie führte ein eigenes Regelwerk ein. Unabhängig vom amerikanischen Verband USAT.


Damit zog sie die rote Linie, und die ITU reagierte prompt: Sie entzog allen WTC-Veranstaltungen weltweit die offizielle Genehmigung. Grund dafür war auch, dass die WTC sich den Anti-Doping-Regeln der WADA nicht vollständig anschloss.


Während sich also die Funktionäre stritten, konzentrierten sich die Athleten auf das, was sie am besten konnten. Kämpfen, leiden und siegen.



Ein Bayer erobert den Mythos Ironman auf Hawaii

2005 trat mit Faris Al Sultan ein Athlet ins Rampenlicht, der anders war als alle vor ihm. Mit Bart, bayerischem Humor und einer unerschütterlichen Gelassenheit verkörperte er das Gegenteil des typischen Hochglanz-Triathleten. Authentisch, geerdet und voller Leidenschaft. Genau das machte ihn so besonders.


An diesem Oktobertag in Kona zeigte der damals 27-Jährige, was in ihm steckte. Er stieg als Dritter aus dem Wasser, übernahm früh die Führung und setzte sich mit kontrollierter Entschlossenheit an die Spitze. Bei Kilometer 160 musste er den Dänen Torbjørn Sindballe vorbeiziehen lassen, der in 4:21:36 Stunden die neun Jahre alte Radbestzeit von Thomas Hellriegel pulverisierte.


Auf der Laufstrecke zeigte Faris seine ganze Klasse. Mit der Ruhe eines Wüstenläufers und der Präzision eines Champions kämpfte er sich an die Spitze zurück. Nach 8:14:17 Stunden überquerte er die Ziellinie. Mit der viertbesten Zeit in der Geschichte Hawaii. Damit krönte er sich zum dritten deutschen Ironman-Weltmeister nach Hellriegel (1997) und Stadler (2004). Mit der bayerischen Flagge über den Schultern und einem Lächeln im Gesicht feierte er einen Moment voller Demut, Stolz und purer Leidenschaft.


Dramen, Rückschläge und ein Abschied

Nicht jeder hatte an diesem Tag Grund zum Jubeln. Normann Stadler, der Titelverteidiger, musste nach zwei Radpannen entkräftet und tränenüberströmt aufgeben. Ein bitteres Ende eines ansonsten starken Jahres.


Chris McCormack hingegen feierte seine eigene kleine Auferstehung: Nach mehreren unvollendeten Rennen kam der Australier endlich durch. In 8:23:52 Stunden als Sechster und erstmals in den Top Ten.

Auch Stephan Vuckovic, der Olympiazweite von Sydney 2000, zeigte mit Platz zehn eine beeindruckende Kona-Premiere.


Natascha Badmanns letzter Triumph auf Hawaii

Bei den Frauen krönte sich Natascha Badmann aus der Schweiz ein letztes Mal zur Königin von Hawaii. In 9:09:30 Stunden gewann sie ihren sechsten und letzten Titel, ein würdiger Abschluss einer goldenen Ära.


Hinter ihr landete die Olympiasiegerin Kate Allen aus Österreich auf Platz fünf, während Katja Schumacher aus Heidelberg mit Rang sechs erneut ihre Kona-Konstanz unter Beweis stellte.


Badmanns letzter Sieg war mehr als nur ein Triumph. Es war der Schlussakkord einer Ära, die sie über ein Jahrzehnt geprägt hatte.


Ein neues Kapitel beginnt

Auch wirtschaftlich und organisatorisch veränderte sich Kona: Nach zehn Jahren ohne großen Hauptsponsor übernahm Ford 2005 das Titelsponsoring des Ironman Hawaii. Das Gesamtpreisgeld wurde auf 580.000 US-Dollar angehoben. Ein weiterer Schritt zur Professionalisierung des Sports.


Trainingscamps

2006 – Normann Stadlers Rückkehr auf den Thron und das Beben von Kona


2006 war ein Jahr, in dem auf Hawaii alles bebte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nur wenige Tage vor dem Start erschütterte ein Erdbeben Big Island, und das Rennen stand kurz vor der Absage. Doch wie so oft beim Ironman Hawaii siegte am Ende die Entschlossenheit. Und wieder war es ein Deutscher, längst eine Legende, der das nächste Kapitel des Mythos schrieb.


Der Machtkampf um die Weltmeisterschaft

Während die Athleten sich auf Kona vorbereiteten, tobte im Hintergrund erneut ein politisches Ringen um Macht, Namen und Rechte. Nach jahrelangem Streit hatte sich die World Triathlon Corporation (WTC) im März 2006 mit dem US-Dachverband USA Triathlon auf eine gemeinsame Linie geeinigt. Doch die Sanktionen der International Triathlon Union (ITU) blieben bestehen. Die WTC war weiter von deren offizieller Anerkennung ausgeschlossen.


Deshalb zog die WTC vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS), um klären zu lassen, ob sie ihre prestigeträchtigen Rennen in Frankfurt als „Ironman European Championship“ und den neuen Halbdistanz-Triathlon in Clearwater (Florida) als „Ironman 70.3 World Championship“ bezeichnen durfte.


Das Urteil fiel im April 2006 und es veränderte alles: Der CAS hob die ITU-Sanktionen auf und bestätigte das Recht der WTC, ihre Markenzeichen zu verwenden. Klar war aber auch: Diese Titel waren keine offiziellen Welt- oder Europameisterschaften im Sinne eines Verbandssystems, sondern Markenbezeichnungen.


Die WTC behielt gleichzeitig ihre verkürzte Drafting-Regel von sieben Metern bei, obwohl eigene Analysen zeigten, dass selbst bei zehn Metern Abstand noch ein deutlicher Windschatteneffekt von bis zu 15 Watt bestehen blieb. Diese Regel blieb, trotz Kritik, bis 2014 bestehen und wurde erst 2015 wieder auf zehn Meter angehoben.


Das Rennen, das fast nicht stattfand

Kaum jemand ahnte, dass die größte Bedrohung des Ironman Hawaii 2006 nicht Wind oder Hitze sein würden, sondern die Erde selbst. Ein Erdbeben wenige Tage vor dem Rennen ließ Straßen aufreißen, Häuser erzittern und sorgte für chaotische Zustände. Lange stand die Absage des Rennens im Raum.

Die Organisatoren hielten durch, der Start fand wie geplant statt.


Die Rückkehr des „Norminators“

Normann Stadler war zurück. Zwei Jahre nach seinem Triumph 2004 zeigte der Heidelberger erneut, warum er einer der besten Radfahrer war, die je durch die Lavawüste von Kona gefahren sind.


Mit einer atemberaubenden Radzeit von 4:18:23 Stunden stellte er einen neuen Streckenrekord auf, baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus und sicherte sich schließlich in 8:11:56 Stunden seinen zweiten Ironman-Hawaii-Sieg.


Es war ein Sieg der Dominanz, der Kontrolle und der Erfahrung und einer, der den Mythos „Norminator“ endgültig zementierte.


Emotionen, Rivalität und Vorwürfe

Doch der Sieg blieb nicht ohne Kontroversen. Hinter Stadler lief der Australier Chris McCormack als Zweiter ins Ziel, vor Titelverteidiger Faris Al-Sultan, der Dritter wurde. Nach dem Rennen eskalierte ein Streit zwischen den Top-Athleten: Sowohl Stadler als auch Al-Sultan warfen McCormack unsportliches Verhalten und Regelverstöße vor. Angeblich war es auf der Strecke beinahe zu Handgreiflichkeiten gekommen.


Kona blieb, was es immer war: heiß, gnadenlos und emotional bis zum Schluss.



Michellie Jones krönt sich auf Hawaii

2006 war das Jahr der Australierin Michellie Jones. Mit einem starken und kontrollierten Rennen sicherte sie sich ihren ersten Sieg beim Ironman Hawaii und krönte sich zur neuen Königin des Triathlon. Hinter ihr komplettierten Desiree Ficker aus den USA und Lisa Bentley aus Kanada das Podium. Die extreme Hitze forderte an diesem Tag alles. Viele Athletinnen mussten das Rennen vorzeitig beenden.


Die Olympiasiegerin Kate Allen aus Österreich lief wie im Vorjahr auf Platz fünf, während Natascha Badmann, sechsfache Siegerin und Legende des Sports, mit Magenproblemen kämpfte und als Zehnte ins Ziel kam. Ein stilles Zeichen, dass eine große Ära zu Ende ging.


Ein deutsches Signal in der Dopingdebatte

Nach dem Rennen nutzte die Deutsche Triathlon Union (DTU) Stadlers Sieg, um politischen Druck auf die WTC auszuüben. Sie verwies darauf, dass sowohl Stadler als auch Al-Sultan dem nationalen Anti-Doping-System unterlagen und forderte die WTC auf, endlich den WADA-Code zu unterzeichnen. Der Erfolg der deutschen Athleten wurde so zum Symbol für Fairness, Transparenz und sportliche Integrität. Werte, die Kona dringend brauchte.



2007 – Tränen Triumph und die Geburt einer neuen Ära


2007 war ein Jahr der Gegensätze: Während die Welt des Triathlons mit neuen Gesichtern, digitalen Experimenten und Rekordsummen überrascht wurde, erlebten die deutschsprachigen Athleten eines ihrer dunkelsten Kapitel auf Hawaii. Es war ein Jahr, das zeigte, dass selbst die größten Champions manchmal an der Hitze, den Umständen, oder einfach an Kona selbst, scheitern können.


Die WTC entdeckt eBay

Die World Triathlon Corporation (WTC) sorgte schon vor dem Rennen für Aufsehen. Erstmals versteigerte sie eine Handvoll Startplätze für den Ironman Hawaii über eBay. Ein Schritt, der in der Triathlonwelt heiß diskutiert wurde.


Doch der Erfolg gab ihr recht: Jeder einzelne Platz erzielte über 40.000 US-Dollar. Summen, die selbst erfahrene Profis staunen ließen. Der Ironman war längst mehr als ein Rennen geworden: Er war ein Mythos mit Marktwert.



Chrissie Wellington erobert Hawaii

Das sportliche Gesicht des Jahres hieß Chrissie Wellington. Die damals noch weitgehend unbekannte Britin stürmte mit einem unbeschwerten Lächeln, grenzenloser Energie und purem Enthusiasmus an die Spitze und gewann in 9:08:45 Stunden als erste Frau aus Großbritannien den Ironman Hawaii.


Niemand hatte sie auf der Rechnung gehabt. Doch Wellington war anders. Frech, furchtlos und wahnsinnig schnell. Mit ihrem Sieg begann eine neue Ära im Frauen-Triathlon: Sie gewann auch 2008, 2009 und 2011 und prägte mit ihrem Stil eine ganze Generation.


Australien übernimmt das Zepter

Während Wellington die Welt verzauberte, übernahmen die Männer aus Australien das Kommando in Kona. Chris McCormack gewann 2007 seinen ersten Titel. Ein Sieg, der für ihn persönlich eine Befreiung war, nachdem er zuvor mehrfach gescheitert war.


Sein Landsmann Craig Alexander trat in den Folgejahren in seine Fußstapfen und dominierte 2008, 2009 und 2011 mit drei aufeinanderfolgenden Triumphen. Zusammen mit Pete Jacobs, der 2012 gewann, machte das Quartett Australien sechs Jahre lang zur führenden Nation im Ironman Hawaii.


Das bittere Jahr der deutschsprachigen Athleten

Für Athleten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz war 2007 dagegen ein Jahr zum Vergessen. Das berüchtigte „Saure-Gurken-Jahr“. Erstmals seit 1984 schaffte es kein einziger deutschsprachiger Athlet in die Top Ten.


Faris Al-Sultan musste seinen Start eine Stunde vor dem Rennen absagen. Ein Magen-Darm-Virus hatte ihn über Nacht außer Gefecht gesetzt. Normann Stadler, der Titelverteidiger von 2006, kämpfte mit ähnlichen Problemen: Durchfall und Magenkrämpfe zwangen ihn auf der Radstrecke zur Aufgabe.


Auch Michellie Jones, die Vorjahressiegerin, wurde auf dem Rad von Übelkeit heimgesucht. Nicole Leder litt bereits beim Schwimmen unter massiven Beschwerden und Katja Schumacher, zwischenzeitlich auf Rang vier, musste während des Marathons von Sanitätern ins Krankenhaus gebracht werden.


Was blieb, war die Erkenntnis: Selbst die Stärksten sind auf Hawaii nur Gäste.


Der Sturz der Königin

Auch für eine der größten Ironman-Legenden nahm das Jahr 2007 ein bitteres Ende. Natascha Badmann, sechsfache Siegerin und Idol einer ganzen Generation, stürzte nach 20 Kilometern auf der Radstrecke schwer. Ein Motorradfahrer soll sie nach ihren Angaben abgedrängt haben. Sie verlor die Kontrolle, stürzte und erlitt mehrere Knochenbrüche und gerissene Sehnen.


Für die Schweizerin bedeutete das nicht nur das Aus in Kona, sondern beinahe das Ende ihrer Karriere. Doch Badmann sollte Jahre später zurückkehren und zeigen, dass selbst gebrochene Knochen den Willen einer wahren Ironwoman nicht brechen können.



2008 – 30 Jahre Ironman Hawaii ein Jubiläum voller Geschichten


Drei Jahrzehnte nach jenem verrückten Rennen auf Oʻahu feierte der Ironman Hawaii 2008 sein großes Jubiläum. 30 Jahre Leidenschaft, Leiden und Legenden. Während an der Startlinie neue Helden bereitstanden, wurde hinter den Kulissen Geschichte geschrieben: Die Firma, die den Mythos Ironman geschaffen hatte, wechselte den Besitzer.


Der Mythos wird zum Investment

Der Mann, der einst den Ironman Hawaii zur Weltmarke gemacht hatte, James P. Gills, zog sich zurück. Er verkaufte seine Firma, die mittlerweile 23 Ironman-Lizenzrennen über die volle Distanz sowie unzählige Ironman 70.3 und 5150-Events umfasste, an die Investmentgesellschaft Providence Equity Partners.


Mit dem Verkauf ging auch ein Standortwechsel einher: Die World Triathlon Corporation (WTC) zog von Tarpon Springs nach Tampa, Florida. Mit ihr begann die Ära des Ironman als globales Sportunternehmen. Der Mythos wurde nun professionell gemanagt, vermarktet und weiter um die Welt getragen.



Chrissie Wellington und Craig Alexander schreiben das perfekte Drehbuch

Das Jubiläumsrennen im Oktober 2008 hätte kein besseres Drehbuch haben können: Die Sieger hießen wieder Chrissie Wellington und Craig Alexander. Zwei Athleten, die den Spirit von Kona verkörperten wie kaum andere.


Wellington siegte mit gewohnter Leichtigkeit, strahlte vom ersten bis zum letzten Meter und festigte ihre Vormachtstellung bei den Frauen. Alexander dagegen kämpfte sich geduldig durch Hitze, Wind und Konkurrenz. Er gewann nach dem zweiten Platz im Vorjahr erstmals den Titel. Damit krönte er Australien erneut zur führenden Ironman-Nation.


Europa meldet sich zurück auf Hawaii

Doch das Jubiläumsrennen brachte auch große europäische Momente. Sandra Wallenhorst schrieb als zweite deutsche Frau überhaupt Ironman-Geschichte: Mit Platz drei stand sie auf dem Podium, hinter Chrissie Wellington und Yvonne van Vlerken, die als in Österreich lebende Niederländerin mit Platz zwei den ersten Podestplatz für die Niederlande überhaupt erreichte.


Ein starkes Signal aus Europa: Nach Jahren australischer und amerikanischer Dominanz mischten nun auch die Athletinnen aus dem deutschsprachigen Raum wieder ganz vorne mit.


Timo Bracht zwischen Triumph und Tragik

Bei den Männern sorgte Timo Bracht für Aufsehen. Der Eberbacher lag während des Marathons zeitweise auf Podiumskurs, doch ein Regelverstoß auf der Radstrecke brachte ihm eine Zeitstrafe ein. Als er sie nicht an der nächsten Penaltybox absitzen wollte, folgte später die Disqualifikation. Eine bittere Wendung in einem sonst starken Rennen. Bracht überquerte zwar als Fünfter die Ziellinie, doch sein Resultat wurde gestrichen.


Die Schweizer Ronnie Schildknecht und Mathias Hecht sicherten sich mit Platz vier und acht zwei Top-Ten-Ergebnisse und zeigten, dass die Schweiz auch jenseits von Badmann große Triathlon-DNA besitzt.


Ein schwarzer Tag für die Champions

Normann Stadler, der zweifache Hawaii-Sieger, führte das Feld zeitweise an und ging als Erster auf die Laufstrecke. Doch die Magie von Kona zeigte wieder einmal ihre gnadenlose Seite: Oberschenkelkrämpfe zwangen ihn zum Tempoverlust, und am Ende belegte er einen Platz hinter Faris Al-Sultan auf den zwölften Rang.


Auch andere Stars erlebten ein schwarzes Jahr: Chris McCormack, der Sieger von 2007, musste das Rennen bereits auf der Radstrecke beenden.



2009 – Zwischen Glanz Prestige und purer Leidenschaft


2009 war ein Jahr des Aufbruchs. Wirtschaftlich, sportlich und organisatorisch. Während die WTC mit einem exklusiven Programm die Welt der Manager für den Triathlon öffnete, betrat auf Hawaii ein deutscher Olympiateilnehmer die Bühne, der den Mythos der „Eisenmänner“ um ein weiteres Kapitel bereichern sollte.


Triathlon wird zum Spielplatz der Mächtigen

Mit der Einführung der „Ironman Executive Challenge“ (XC) schuf die World Triathlon Corporation ein Format, das Luxus und Leistung miteinander verband. Ab 2009 konnten Topmanager, CEOs und Firmenpräsidenten weltweit in einer eigenen Kategorie an ausgewählten Ironman-Rennen teilnehmen – darunter Coeur d’Alene, Frankfurt, Lake Placid, Louisville und Arizona.


Rund 1000 Teilnehmer traten in dieser neuen Eliteklasse an, etwa die Hälfte von ihnen mit einem Vorstandstitel vor dem Namen. 100 Startplätze für den Ironman Hawaii waren fortan exklusiv für diese Gruppe reserviert. Eine Parallelwelt im Triathlon, die Business und Sport vereinte.


Die Teilnahme war teuer, aber prestigeträchtig: Als Gegenwert erhielten die „XC-Athleten“ hochwertige Unterkünfte, VIP-Zugang, Escort-Service für Familienmitglieder, Meet-and-Greet mit den Profis, exklusive Frühstücke und vor allem deutlich einfachere Qualifikationschancen. Kona wurde damit endgültig nicht nur zum Traum der Sportler, sondern auch zum Spielplatz der Wirtschafts-Elite.


Andreas Raelert beeindruckt bei seinem Hawaii Debüt

Sportlich stand das Jahr im Zeichen eines deutschen Neulings: Andreas Raelert, der zuvor als Olympiastarter 2000 in Sydney und 2004 in Athen über die Kurzdistanz geglänzt hatte, wagte seinen ersten Start auf der Langstrecke in Kailua-Kona.


Was dann folgte, war ein Einstand nach Maß: Raelert lief im Marathon lange Seite an Seite mit dem Kanadier Peter Reid, beide jagten den führenden Chris Lieto. Am Ende musste der Rostocker zwar abreißen lassen, kämpfte sich aber eindrucksvoll auf das Podium. Platz drei bei seinem ersten Hawaii-Start.


Hinter ihm überzeugte auch Timo Bracht mit einem sechsten Platz, während Faris Al-Sultan, der zwischenzeitlich auf der Radstrecke geführt hatte, als Zehnter ins Ziel kam. Zwischen ihnen platzierte sich der Luxemburger Dirk Bockel auf Rang sieben, ebenfalls ein Achtungserfolg.



Chrissie Wellington dominiert Hawaii

Bei den Frauen war der Thron von Kona fest in britischer Hand. Chrissie Wellington triumphierte zum dritten Mal in Folge und tat dies in einer Art, die den Sport in Staunen versetzte.


In 8:54:02 Stunden unterbot sie den 17 Jahre alten Streckenrekord von Paula Newby-Fraser um 86 Sekunden. Nur 22 Männer waren an diesem Tag schneller als sie. Eine Leistung, die die Grenzen zwischen den Geschlechtern auflöste und ihren Status als Ausnahmetalent zementierte.


Auch andere Frauen sorgten für Schlagzeilen: Mirinda Carfrae, die später selbst zur Ironman-Legende werden sollte, lief mit 2:56:51 Stunden einen neuen Marathonrekord bei den Frauen. Ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte.


Für Deutschland hielt Sandra Wallenhorst die Fahne hoch. Sie wurde Neunte und damit schnellste deutsche Frau auf Big Island.


Ein neues Zeitalter der Profis

2009 war zugleich ein Wendepunkt in der Geschichte des Ironman Hawaii. Es war das letzte Jahr, in dem die Top Ten der Männer und Frauen automatisch das Recht auf einen Startplatz im Folgejahr erhielten.


Ab 2010 begann das neue „Kona Pro Ranking“ (KPR)-System. Von nun an mussten sich Profis Punkte durch Teilnahmen an WTC-Rennen sichern, um sich zu qualifizieren. Ein Schritt, der mehr internationale Präsenz, aber auch mehr Druck auf die Athleten brachte.

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