Laura Philipp im Interview
- HHT Team

- 10. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Feuer, Fokus, Aloha – Laura Philipp ist bereit für die Titelverteidigung auf Hawaii
"Meine Stärke ist, dass ich nicht aufgebe!"
Wir haben mit der amtierenden Triathlon-Weltmeisterin Laura Philipp über Erfolgsdruck, die Faszination Hawaii, mentale Stärke und die Vorbereitung mit Hannes Hawaii Tours gesprochen.

HHT: Laura, du bist schon lange in der Weltspitze angekommen. Fühlt sich das auch so an oder realisiert man das selbst oft gar nicht so wirklich?
Laura: Man realisiert es häufig gar nicht selbst so sehr. Erst letztes Jahr, als Philipp und ich den Weltmeistertitel geholt haben, haben wir uns die Zeit genommen, zurückzuschauen, was wir schon alles erreicht haben. Dieses Wertschätzen kommt sonst oft zu kurz, weil man immer schon wieder in der nächsten Vorbereitung steckt. In der Weltspitze angekommen fühle ich mich seit ein paar Jahren, und es ist ein super cooles Gefühl. Jetzt geht es darum, wie lange ich da oben dabeibleiben kann.
Bei den IRONMAN European Championship in Hamburg hast du mit 8:03:13 die zweitschnellste Langdistanzzeit aller Zeiten aufgestellt. Was bedeuten dir diese Zeiten?
Rückblickend finde ich sie natürlich toll. Im Rennen selbst habe ich aber zu keinem Moment an irgendeine Zeit gedacht. Mir war vor allem der Sieg wichtig, und der ging an dem Tag eben nur über extrem schnelle Zeiten. Dass ich auf dem Weg zu einer sehr schnellen Marathonzeit bin, habe ich dann irgendwann gemerkt, als meine Uhr recht flotte Zwischenzeiten gepiept hat. Aber die Endzeit habe ich tatsächlich erst im Ziel gesehen.
Dein Motto lautet “Work Hard. Have Fun. Kick Ass.”. Gab es Momente, in denen du dich selbst daran erinnern musstest?
Ja, so ein Motto entsteht ja vor allem, weil man sich selbst motivieren muss. 99 Prozent der Zeit habe ich Spaß an dem, was ich tue. Aber es gibt natürlich Tage, da muss ich mir selbst den sprichwörtlichen Tritt verpassen. Wenn man sich kontinuierlich verbessern will, muss man die Komfortzone verlassen und auch mal Dinge ausprobieren, die nicht funktionieren. Der Spruch begleitet mich also täglich und hat jeden Tag eine etwas andere Bedeutung.
Wie sehr geht es darum, sich selbst zu besiegen und gar nicht unbedingt “nur” darum, als Erste über die Ziellinie zu laufen?
Natürlich ist man im Rennen immer im Selbstgespräch und muss schauen, wie weit man sich pushen kann. Dennoch geht es für mich bei Rennen immer darum, dass ich gewinnen möchte. Ich versuche mit der Form, die ich an dem Tag habe, das Beste herauszuholen, um so nah wie möglich an den Sieg zu kommen.
Im Oktober steht der IRONMAN auf Hawaii an. Was bedeutet dieses Rennen für dich?
Die Weltmeisterschaft ist das große Jahreshighlight. Ich freue mich, als Titelverteidigerin mit der Startnummer 1 zurückzukehren. Das wird ein ganz besonderes Erlebnis. Alle wollen mich natürlich auch schlagen. Ich möchte versuchen, meine bestmögliche Leistung auf der Insel abrufen zu können und mich vor allem sehr gut an die Hitze anzupassen.
Wo siehst du bezüglich Hawaii deine Stärken und Schwächen?
Meine Stärke ist, dass ich nicht aufgebe und versuche, aus jeder Situation das Beste zu machen. Das Schwimmen ohne Neoprenanzug im welligen Meer ist sicher meine Schwäche, aber ich schätze die Schönheit des Meeres dort extrem. Ich kann mich jetzt entscheiden, ob ich den Druck der Startnummer 1 als erdrückend empfinde oder es als etwas Superschönes sehe, was ich vielleicht einmal im Leben erlebe. Ich hoffe, ich schaffe es, die zweite Variante zu wählen.
Nimm uns mal mit in ein Rennen. Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf, wenn du nach 180 km Radfahren auf die Marathonstrecke startest?
Ich versuche, diese Gedanken an die Gesamtdistanz gar nicht erst zuzulassen, weil das erdrückend wirken kann. Ich konzentriere mich immer nur auf die eine Disziplin. Nach dem Schwimmen freue ich mich extrem aufs Radfahren. Am Ende der 180 Kilometer bin ich dann aber einfach glücklich, vom Rad zu steigen. Das Laufen sehe ich als meine Chance, weiter nach vorne zu kommen. Auf Hawaii ist das Laufen brutal, aber es ist der Part, der mich zum Ziel bringt – und dorthin, wo ich hin will.

Mit Hannes Hawaii Tours geht's nach Kona. Was ist das Besondere an dieser
Reise für dich?
Es ist super cool, dass es dieses Jahr mit Hannes nach Hawaii geht. Bei unserer ersten Reise haben wir alles selbst versucht zu organisieren – wahrscheinlich hätte Hannes uns da einige Tipps geben können, die unseren ersten Aufenthalt etwas smoother gemacht hätten. Aber es ist nie zu spät, dazuzulernen. Hannes Hawaii Tours hat das Hawaii im Namen, es gibt glaube ich niemanden, der Kona so gut kennt. Ich freue mich auf die gemeinsame Reise und die Zeit dort.
Wie wichtig ist es für dich, dass die Bausteine rund um den Wettkampf passen – gerade bei einem Rennen wie Hawaii?
Das ist extrem wichtig, weil es einfach Stress reduziert. Man hat die klimatische Herausforderung, die lange Anreise, die Zeitverschiebung und die vielen Eindrücke auf der Insel. Da einen Partner an der Seite zu haben, der das alles schon zigmal gemacht hat, kann einem sehr viel Vertrauen und Ruhe geben. Das hilft einem, sich wirklich auf die Performance am Renntag zu konzentrieren.
Was ist das größte mentale Learning, das du in den letzten Jahren gemacht hast?
Dass man in einem Langdistanz-Triathlon eben nicht alles kontrollieren oder planen kann. Man muss immer im Moment sein und eine extreme Kontrolle über sein Mindset und seine Gedanken haben. Das ist etwas, worauf man sich vorbereiten kann: in jedem Moment die richtige Entscheidung zu treffen und positiv zu bleiben.
Du gehst sehr offen mit zyklusbasiertem Training um. Was war der Auslöser dafür?
Der Auslöser war meine eigene Geschichte. Ich hatte im Training immer wiederkehrend Tage, an denen gefühlt gar nichts ging. Irgendwann hat es Klick gemacht und ich verstand, dass es mit meinem Zyklus zusammenhängt. Ich habe festgestellt, dass ein funktionierender Zyklus ein extremes Gesundheitszeichen und ein wichtiger Baustein für Athletinnen ist. Ich nehme im Training darauf Rücksicht, habe dadurch mehr leistungsfähige Tage und kann meinen Körper besser verstehen. Das hilft auch in der Kommunikation mit Philipp als Trainer und Partner. Ich hoffe, dass es bald kein Tabuthema mehr ist.
Und worauf freust du dich am meisten nach einem Wettkampf?
Direkt nach dem Rennen ist es ein kaltes Getränk, sich hinlegen und kurz mal loslassen. Dann folgt meistens relativ schnell eine große Pizza-Lust, einfach was richtig Salziges. Und dann im Idealfall am Abend mit allen Familien, Freunden und Supportern zusammenkommen und auf einen großen Erfolg anstoßen.
Vielen lieben Dank, Laura! Das Team von Hannes Hawaii Tours wünscht dir viel Erfolg! Wir sehen uns in der Cheering-Zone!












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