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Jonathan Homberg im Interview

  • Autorenbild: HHT Team
    HHT Team
  • vor 33 Minuten
  • 9 Min. Lesezeit

In ihm vereinen sich Talent, Klarheit und Reife mit Ruhe, Demut und einem unbeirrbaren Willen. Wie gemacht für einen Weg, der noch weit führen kann.


Jonathan Homberg ist vielleicht noch nicht der Name, den im Triathlon schon jeder sofort auf dem Schirm hat, aber genau das könnte sich bald ändern. Denn der 24-Jährige bringt vieles mit, was man sich bei einem jungen Athleten nur wünschen kann: Talent, Klarheit, Bodenständigkeit und den Mut, seinen eigenen Weg konsequent zu gehen. Mit einem bewusst gesetzten Drei-Jahres-Plan im Profifeld will er herausfinden, wie weit ihn dieser Sport tragen kann. Nicht mit großen Parolen, sondern mit ehrlicher Arbeit, einem klaren Kopf und dem festen Willen, das Beste aus sich herauszuholen.


Was dabei besonders beeindruckt: Jonathan wirkt schon jetzt wie jemand, der verstanden hat, worauf es wirklich ankommt. Er analysiert seine Rennen mit Ruhe, begegnet seiner Entwicklung mit Demut und strahlt gleichzeitig eine Souveränität aus, die in diesem Alter alles andere als selbstverständlich ist. In unserem Gespräch wird schnell klar, dass hier einer nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf bereit ist, den nächsten Schritt zu gehen. Für uns ist deshalb klar: Jonathan Homberg ist ein Athlet, dessen Weg man in Zukunft ganz genau verfolgen sollte.


Jonathan Homberg beim Allgäu Triathlon 2024

Eigenes Archiv


Jonathan, du bist in Bochum zu Hause und startest für den SV Blau-Weiß Bochum – was bedeutet dir diese Verbundenheit zur Heimat, und wie viel „Bochumer Jung“ steckt in dir?

Meine Verbindung zu Bochum ist weniger emotional als vielmehr pragmatisch. Im Moment ist es für mich ein guter Lebensmittelpunkt, weil ich hier auf die Unterstützung meiner Familie zählen kann und zugleich sehr gute Trainingsbedingungen im Verein habe.


"Langfristig kann ich mir aber gut vorstellen, an einem Ort wie Andorra oder Nizza zu leben und zu trainieren."
Train Like A Pro

Der Schritt ins Profilager war bei dir ja ganz bewusst gewählt: nach einer starken Saison, mit einem Drei-Jahres-Plan und der Offenheit, erstmal herauszufinden, ob dieses Profi-Leben wirklich dein Weg ist. Nun ist die erste Hälfte dieser Reise vorbei. Was sagt dein Bauchgefühl heute, ist der Sport in dieser Form genau dein Ding?

Ja, genau. Zu Beginn habe ich mir bewusst einen Zeitraum von drei Jahren gesetzt, um diesen Weg im Leistungssport konsequent auszuprobieren. In dieser Zeit werde ich von meinen Eltern finanziell unterstützt, weil ein solcher Einstieg anders kaum realisierbar wäre. Zwar habe ich Sponsoren, aber keine, die mich finanziell tragen, genau das ist am Ende aber natürlich entscheidend.


Aktuell ist dieser Sport aber ganz klar das, was ich machen möchte. Ob ich nach diesen drei Jahren weitermache, kann ich heute noch nicht sagen. Ich bin jetzt im zweiten Jahr und möchte den Fokus bewusst darauf legen, was ich sportlich erreichen kann. Sowohl in Bezug auf Platzierungen als auch auf meine persönliche Leistungsentwicklung. Wenn ich nach diesen drei Jahren sehe, dass ich weiterhin große Fortschritte machen kann und das Potenzial für noch größere Ziele da ist, dann werde ich diesen Weg natürlich weitergehen.


Wichtig ist dabei auch, realistisch zu bleiben: Es macht nicht jeden Tag nur Spaß. Es gibt Tage, an denen die Motivation geringer ist oder der Körper müde ist. Trotzdem macht man weiter, weil man ein großes Ziel verfolgt. Genau diesen Prozess genieße ich im Moment sehr. Besser zu werden, mein Potenzial auszuschöpfen und Schritt für Schritt näher an die absolute Spitze heranzukommen. Besonders reizvoll ist für mich dabei nicht nur das Training selbst, sondern auch der direkte sportliche Vergleich mit anderen. Insgesamt genieße ich diese Zeit sehr und bin unglaublich dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, diesen Weg zu gehen.



Privates Archiv


Wenn wir auf die Saison 2024 schauen, dann waren da schon ein paar richtig starke Statements dabei: die ersten Siege beim Ironman 70.3 Jönköping, in Kraichgau und beim Aasee-Triathlon. Platz drei beim Ironman Barcelona. Ebenfalls Platz 3 beim Allgäu Triathlon und dann auch noch Rang drei in deiner Altersklasse bei der 70.3-WM in Neuseeland. Irgendwann muss da ja der Punkt gekommen sein, an dem aus einem Gedanken ein klarer Entschluss wurde. Welcher Wettkampf war am Ende der, der dich zur Profilizenz gebracht hat?

2024 war für mich in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt. Bis dahin hatte ich mein Training parallel zum Sportstudium komplett selbst gesteuert, bevor ich ab März mit Thor Bendix Madsen erstmals einen Trainer an meiner Seite hatte. Gleichzeitig habe ich über den Winter mein Trainingsvolumen deutlich erhöht, sehr viel konsequenter gearbeitet und mit 25 bis 28 Trainingsstunden pro Woche noch einmal ein neues Niveau erreicht. Dazu kamen intensivere Einheiten und mehr Intervalle – und ich habe relativ schnell gespürt, dass sich dadurch sportlich etwas verändert. Dieser Entwicklungsschub hat sich dann auch in den Rennen gezeigt. Besonders Jönköping gehört für mich bis heute zu meinen stärksten Leistungen, und auch der dritte Platz beim Allgäu Triathlon als bester Age-Grouper hinter zwei Profis war ein ganz besonderer Moment.


Spätestens nach dem Ironman 70.3 Kraichgau war mir aber klar, dass über den Winter etwas Entscheidendes passiert war. Dort habe ich gemerkt, dass ich auch im Vergleich mit dem Profifeld nicht nur mithalten, sondern mehrere Profis hinter mir lassen kann. Genau diese Erkenntnis war emotional sehr wichtig für mich, weil sie mir gezeigt hat, dass dieser Weg nicht nur ein Gedanke oder Traum ist, sondern real werden kann. Deshalb habe ich mich entschieden, es jetzt wirklich ernsthaft zu versuchen. Wenn man diesen Schritt gehen will, dann lieber früh und mit voller Überzeugung. Und selbst wenn man später merkt, dass sich der Weg sportlich, finanziell oder persönlich doch anders entwickelt, bleiben immer noch genug Möglichkeiten, neue Richtungen einzuschlagen.


Privates Archiv


Du hast es gerade selbst angesprochen. Der Allgäu Triathlon war für dich mit Platz drei als Age-Grouper hinter den beiden Profis Tom Hug und Gregor Payet ein echtes Highlight. Wie hast du dieses Rennen damals erlebt und dürfen wir hoffen, dich dort irgendwann noch einmal zu sehen, dann vielleicht als Profi?

Ja, auf jeden Fall! Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch einmal beim Allgäu Triathlon zu starten. In diesem Jahr wird es zwar leider nichts, aber für die kommenden Jahre ist das Rennen definitiv eine Option. Der Allgäu Triathlon war für mich immer eine besondere Veranstaltung. Schon als Age-Grouper fand ich das Event extrem attraktiv, nicht nur wegen der sportlichen Herausforderung, sondern auch wegen der gesamten Organisation und Atmosphäre.


Auch sportlich hat mir das Rennen immer sehr gut gelegen. Die anspruchsvolle, bergige Strecke hat mir viel Spaß gemacht, und die besondere Stimmung im Allgäu war jedes Mal spürbar. Ich wusste damals, dass dort regelmäßig starke Profis am Start sind, und genau das hat den Reiz noch einmal erhöht. Mit dem Selbstvertrauen aus meinen vorherigen Age-Group-Rennen bin ich damals trotzdem mit dem Ziel angereist, meine Altersklasse zu gewinnen, auch wenn ich nicht damit gerechnet hatte, so nah an den Profis dran zu sein.


Dass ich am Ende direkt hinter Athleten wie Gregor Payet und Tom Hug ins Ziel kommen würde, war natürlich ein besonderes Erlebnis. Gerade Tom Hug hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits stark etabliert, und auch Gregor gehörte zu den bekanntesten Namen im Feld. Während des Laufens habe ich dann gemerkt, dass ich immer weiter nach vorne komme. Mein Vater rief mir zwischenzeitlich meine Platzierung zu und als ich an der Wendepunktstrecke gesehen habe, dass vorne nicht mehr viele Athleten vor mir waren, wollte ich einfach alles investieren, um noch näher heranzukommen.

Genau solche Momente machen ein Rennen unvergesslich. Wenn man spürt, dass man über sich hinauswächst und für eine starke Leistung auch Anerkennung bekommt. Deshalb bleibt mir der Allgäu Triathlon in sehr guter Erinnerung, und ich würde mich auf jeden Fall freuen, dort in Zukunft noch einmal an den Start zu gehen.


"Ich war in keinem Rennen chancenlos, sondern immer mittendrin, konkurrenzfähig und Teil des Feldes."

Eigenes Archiv


2025 war bei dir ordentlich was los: sechs Mitteldistanzen, viele Reisen, viele Eindrücke – mit Starts beim Ironman 70.3 Kraichgau, Westfriesland, Schweden, Kraków, Hradec Králové und beim Triathlon de Gérardmer. Dazu mit Platz zehn beim Ironman 70.3 Kraków auch ein Ergebnis, das sich absolut sehen lassen kann. Wenn du heute auf dieses Jahr zurückschaust: Wie fällt dein persönliches Fazit aus?

Mit der vergangenen Saison bin ich wirklich sehr zufrieden. Ich habe viele Rennen bestritten, vor allem über die Mitteldistanz, dazu kam noch ein Ligastart. Das war insgesamt eine große Belastung, aber vor allem ein unglaublich wertvolles Jahr für meine Entwicklung. Besonders schön war für mich zu sehen, dass ich nicht nur in meiner schwächsten Disziplin, dem Schwimmen, Fortschritte gemacht habe, sondern mich von Rennen zu Rennen auch insgesamt weiterentwickeln konnte, sowohl bei den Ergebnissen als auch im eigenen Körpergefühl. Ich habe immer stärker gespürt, dass sich die einzelnen Bausteine nach und nach zusammenfügen. Zu meinen stärksten Resultaten zählen für mich der 16. Platz bei der Europameisterschaft und der 10. Platz in Krakau. Noch wichtiger als die Platzierungen war aber die Erkenntnis, wie viel ich in dieser Saison lernen durfte. Der Unterschied zwischen Age-Group- und Profirennen ist enorm, und ich musste mich an viele neue Situationen erst herantasten. Gerade deshalb war es für mich umso wertvoller zu erleben, dass ich nicht nur mithalten, sondern mich in diesem Feld von Rennen zu Rennen besser behaupten konnte.


Genau das hat mir bestätigt, dass es die richtige Entscheidung war, diesen Weg einzuschlagen. Ich war in keinem Rennen chancenlos, sondern immer mittendrin, konkurrenzfähig und Teil des Feldes. Mit jedem Start ist mein Selbstvertrauen gewachsen, und ich habe immer mehr daran geglaubt, dass ich auf diesem Niveau bestehen kann. Meinen ersten Triathlon habe ich ja erst 2022 gemacht. Zwar begleiten mich Schwimmen, Radfahren und Laufen schon mein ganzes Leben, doch im Triathlon selbst bin ich noch vergleichsweise neu. Dass ich in so kurzer Zeit bereits auf diesem Niveau angekommen bin, macht mich stolz und zeigt mir gleichzeitig, wie viel Potenzial noch in mir steckt. Viele meiner Konkurrenten sind seit zehn oder fünfzehn Jahren in diesem Sport unterwegs, während ich bei vielen Rennen noch zu den Jüngsten im Feld gehöre und trotzdem schon mithalten kann. Genau das gibt mir das Gefühl, dass in den kommenden Jahren noch sehr viel möglich ist.


Jonathan Homberg auf der Zielgeraden

Eigenes Archiv


Seit der Offseason im vergangenen Herbst steuerst du dein Training wieder komplett selbst. Was waren für dich die ausschlaggebenden Gründe, diesen Schritt zu gehen und dich von deinem Trainer zu trennen?

Diesen Schritt habe ich aus unterschiedlichen Gründen bewusst gewählt: Zum einen spielt der finanzielle Aspekt eine Rolle, weil ein Coach natürlich mit erheblichen Kosten verbunden ist. Zum anderen war es mir wichtig, meinen Trainingsalltag wieder stärker selbst zu gestalten und mehr Raum zu haben, Dinge auszuprobieren, um herauszufinden, was für mich persönlich am besten funktioniert.


Ich habe für mich gemerkt, dass viele Trainer sehr stark in ihrem eigenen System arbeiten. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, passt aber nicht immer ideal zur individuellen Lebensrealität eines Athleten. Gerade dann, wenn Coach und Athlet in unterschiedlichen Ländern leben und bestimmte Rahmenbedingungen vor Ort nicht genau kennen. Für mich hat sich der Schritt zurück in die Eigenverantwortung bislang sehr positiv ausgewirkt. Ich hatte zuletzt einen zweimonatigen Block vor Sir Bani Yas und war in dieser Zeit in der besten Form meines Lebens. Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, auch weil ich mein Training nun noch gezielter auf die jeweiligen Rennen und Streckenprofile abstimmen kann.


Trainingslager Lanazarote

Jonathan, wenn man deinen Weg verfolgt, fällt sofort auf, mit wie viel Bodenständigkeit, Pragmatismus und Klarheit du deine Entwicklung einordnest. Umso spannender ist es zu sehen, wie souverän du mit erst 24 Jahren und nach nur vier Jahren im Triathlonsport bereits auf diesem Niveau unterwegs bist. Mit deinem frühen Saisonstart bei der Challenge Sir Bani Yas in Abu Dhabi und Platz 15 in einem stark besetzten Feld hast du direkt gezeigt, dass 2026 einiges möglich ist. Wie groß ist deine Vorfreude auf die Saison und auf welche Rennen dürfen wir uns in diesem Jahr besonders freuen?

Ich blicke mit sehr großer Vorfreude auf die Saison. Was meine Rennplanung betrifft, halte ich mich bewusst noch etwas zurück, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass zu frühe Ankündigungen unnötigen Druck erzeugen können. Sicher ist aber, dass ich wieder in Jönköping bei der Europameisterschaft starten werde, weil mir dieses wellige Profil sehr liegt. Insgesamt plane ich in diesem Jahr fünf bis sechs Mitteldistanzen und voraussichtlich auch einige Duathlons. Ich habe mich bereits für mehrere Veranstaltungen angemeldet, möchte aber bewusst flexibel bleiben und je nach Formentwicklung entscheiden, welche Rennen ich tatsächlich bestreite.


Jonathan Homberg auf dem Podium beim Allgäu Triathlon

Eigenes Archiv


Wenn du auf dein Gesamtpaket blickst: Wo liegen aktuell deine größten Stärken, und wo schlummert aus deiner Sicht noch das meiste Potenzial für die nächsten Schritte?

Ich würde sagen, dass meine größte Stärke vor allem im Laufen liegt. Dort kann ich mit konstant guten Trainingsblöcken sicher noch sehr viel herausholen. Auch auf dem Rad sehe ich weiteres Entwicklungspotenzial, aber das Laufen ist nach wie vor die Disziplin, in der ich langfristig noch einmal einen besonders großen Schritt machen kann. 


Beim Schwimmen sehe ich ebenfalls Potenzial. Gleichzeitig ist es dort am schwierigsten, große Fortschritte zu erzielen. Schwimmen ist technisch extrem anspruchsvoll und erfordert deutlich mehr als nur Trainingsumfang. Gerade weil ich nicht von klein auf aus dem klassischen Schwimmsport komme, ist dort die Entwicklung komplexer. Deshalb würde ich sagen, dass ich aktuell im Schwimmen den größten Entwicklungsbedarf habe.


Road to Kona

Mit 24 darf man ruhig noch groß träumen. Wenn du dir ein Rennen rauspicken könntest, das du irgendwann einmal gewinnen willst, welches wäre das?

Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage. Im ersten Schritt wäre es für mich schon ein wichtiger Meilenstein, überhaupt einmal ein Rennen als Profi zu gewinnen oder auf dem Podium zu stehen. Wenn ich aber etwas weiter nach vorne blicke, wären natürlich Titel wie ein Europameisterschafts- oder Weltmeisterschaftserfolg etwas ganz Besonderes. Im Moment fühle ich mich vor allem auf der 70.3-Distanz zuhause. Auch ein Start auf Hawaii wäre natürlich ein großer Traum.


Vielen Dank für das offene Interview, Jonathan! Es macht große Freude, deinen Weg zu verfolgen, und wir sind gespannt, wohin er dich noch führen wird. Für deine erste Podiumsplatzierung bei den Profis wünschen wir dir nur das Beste. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir diesen Moment schon bald erleben werden.

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