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Finn Sattler im Interview

  • Autorenbild: HHT Team
    HHT Team
  • vor 6 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Erfolg, Leidenschaft, Next Level – Vom Rookie zum Profi


„Dieses Jahr hat mich alles gelehrt – vor allem, dranzubleiben.“

Wir haben mit Finn Sattler über eine Saison voller Auf und Abs gesprochen, über mentale Stärke, seinen unbändigen Trainingseifer und den Moment, der vieles gekrönt hat: Platz 4 in der Altersklasse 18–24, 11. Platz bei den Amateueren und 67. Overall bei der IRONMAN 70.3 Weltmeisterschaft in Marbella in 4:13:21 Stunden. Außerdem verrät er, warum er 2026 den Schritt zu den Profis wagt und was sich dadurch für ihn im Training, im Alltag und an den Zielen verändert.


Finn Sattler ist 22 Jahre alt, kommt aus dem Allgäu, startet für den RSC Kempten und gehört zu den spannendsten Athleten der Region: erfolgreicher Agegrouper, Bundesliga-Athlet und als Guide bei Hannes Hawaii Tours mittendrin in der Triathlon-Community.


Finn Sattler

Foto: Clara Dinter


HHT: Nimm uns mal mit. Wann bist du zum Triathlon gekommen?

Das ist schon ein bisschen länger her. Ich würde sagen 2019 bin ich da so ein bisschen reingerutscht. Ich habe jetzt nicht mit vier angefangen, Triathlon zu machen, war aber früher schon im Schwimmen. Außerdem bin ich immer beim Laufsporttag in Kempten mitgelaufen. Darüber bin ich dann auch ein Stück weit in die Ausdauerszene hineingekommen.


Wenn ich etwas weiter aushole: Als Kind habe ich vieles ausprobiert, aber wie ein roter Faden hat sich Handball durch meine Kindheit gezogen. Nebenbei habe ich alle möglichen Sportarten gemacht, Tennis, Fußball, wirklich alles.


Und eines Abends bin ich dann darauf gekommen, mir den Ironman Hawaii anzuschauen. Das habe ich tatsächlich bis drei Uhr nachts durchgezogen. Am nächsten Tag habe ich zu meinen Eltern gesagt: „Das will ich auch mal machen.“


HHT: Du hast schon gesagt: Ironman Hawaii – und dass du bis 3:00 Uhr nachts durchgehalten hast. Weißt du noch, wer damals gewonnen hat?

Das war Jan Frodeno. Und genau das macht diesen Moment für mich auch heute noch so besonders: Frodeno war damals für viele der Inbegriff von „Triathlon auf höchstem Niveau“ – extrem fokussiert, brutal konstant und gleichzeitig total inspirierend. Als ich das Rennen nachts verfolgt habe, hat mich diese Kombination aus Atmosphäre, Leidenschaft und dieser riesigen sportlichen Herausforderung komplett gepackt. Ich saß da wirklich wie hypnotisiert vor dem Bildschirm und dachte mir nur: Wie krass ist das bitte?


Trainiere wie die Profis

HHT: Nimm uns mal mit: Die Saison 2024/2025 hatte ja viele Höhen – ich sag’s mal so – es waren auch ein paar Tiefen dabei. Aber insgesamt haben die Höhen überwogen. Lass uns anfangen mit deinem Highlight: Challenge St. Pölten. Was war für dich dort so besonders?

Ja, das war gut muss ich sagen. Es war so ein Einstiegsrennen in die Saison mit Blick auf Marbella. Wir haben gleich Anfang des Jahres eine Mitteldistanz gemacht und es lief eigentlich alles wie geplant.


Es war ein mega cooles Rennen: in den zwei Seen zu schwimmen und dann auf der Autobahn zu fahren, war schon etwas Besonderes. Von Anfang bis Ende hat alles gepasst. Wir waren auf dem Rad und auch beim Laufen relativ lange zu zweit unterwegs. Am Ende ist Platz zwei insgesamt bei den Amateuren und der erste Platz in der Altersklasse herausgesprungen. Unterm Strich: rundum zufrieden.


HHT: Damit hast du sozusagen gleich das erste Ausrufezeichen gesetzt. Danach kam das Rennen in der 2. Bundesliga am Rothsee, inklusive Disqualifikation, wie man lesen konnte. Berechtigt oder unberechtigt?

Ja, also meiner Meinung nach konnte ich da wirklich nichts dafür. Erstmal muss ich sagen: Es war ein mega cooles Rennen. Ich bin happy ins Ziel gekommen, als Zweiter hinter Fabi Kraft. Direkt danach wurde mir allerdings gesagt, dass ich disqualifiziert wurde. Dann war natürlich die Frage: Warum?

Relativ schnell hieß es: „Du hast die Zeitstrafe nicht abgesessen.“ Und ich meinte nur: „Wieso habe ich überhaupt eine Zeitstrafe?“ Ich wusste wirklich gar nicht, warum das jetzt alles passiert.


Dann kam raus, dass mein Rad nach dem zweiten Wechsel angeblich nicht am Radständer eingehängt war. Ich war mir aber sicher, dass ich es eingehängt hatte, das konnte aus meiner Sicht nicht sein. Die Kampfrichter haben uns dann ein Bild gezeigt, auf dem mein Rad tatsächlich nicht mehr eingehängt war.

Wir hatten allerdings Glück, dass es einen Livestream gab. In unserer Gruppe gab es einen Screenshot, auf dem man sieht, dass ich das Rad aufgehängt habe. Den haben wir den Kampfrichtern gezeigt, aber das hat leider nichts geändert.


Ein paar Tage später habe ich mir den Livestream selbst nochmal angeschaut und man sieht es dort wirklich. Das ist schon schade, dass so etwas dann nicht berücksichtigt wird. Aber im Nachhinein kann man es nicht mehr ändern. Trotzdem bin ich mit dem Rennen an sich zufrieden.


Finn Sattler auf dem Rad

Foto: Clara Dinter


HHT: Du hast dir die Quali für die Ironman 70.3-WM in Marbella 2024 in Zell am See geholt. Nimm uns da mal ein bisschen mit: Wie ist das Rennen abgelaufen – und wie lief es für dich?

Ja, das lief wirklich ganz gut, muss ich sagen. Es war tatsächlich meine erste richtige Mitteldistanz. Das Ganze war anfangs eher so eine Ideenspinnerei: Wenn die 70.3-WM in Marbella statt irgendwo anders auf der Welt ist, könnten wir ja mal versuchen, die Quali zu holen. Also dachten wir uns: erstes Mitteldistanzrennen, wir probieren es einfach. Es war ja noch ewig hin. Wenn es klappt, megacool. Wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm und ich habe zumindest Erfahrung gesammelt.


Und Zell am See war wirklich ein richtig cooles Rennen. Natürlich auch mega aufregend, weil das bis dahin das größte war, was ich gemacht hatte. Ich bin in allen Disziplinen eigentlich ganz gut durchgekommen. Nur beim Laufen wurde es am Ende ein bisschen zäh. Es war aber auch extrem heiß an dem Tag. Am Ende bin ich Vierter in der Altersklasse, Sechster Overall geworden und konnte dadurch den Slot holen – und ab da ging es quasi immer mit Blick Richtung Marbella weiter.


HHT: Wie bereitet man sich auf so ein Highlight wie Marbella vor?

Ja, also ich wusste es ja schon richtig früh. Ich hatte über ein Jahr Zeit, mich darauf vorzubereiten. Wir haben aber auch gesagt: Die Saison wird hinten raus sehr lang werden, weil das Rennen ja erst am 9. November stattfand und das würde ich nicht komplett durchhalten. Deshalb habe ich im August tatsächlich erst einmal ein bisschen Pause gemacht und mich ab da dann gezielt vorbereitet.


Road to Kona

HHT: Deine Halbmarathonzeit in Marbella war 1:17h – eine richtig schnelle Zeit, vor allem dafür, dass der Laufkurs ja nicht gerade der schnellste ist. Er ist mit vielen Kurven ziemlich verwinkelt. Wie hast du dich dabei gefühlt?

Es war einfach von Anfang an brutal hart. Die Radstrecke hat mir schon einige Körner gezogen. Und ich muss sagen: Ich hatte die Laufstrecke tatsächlich leichter erwartet. Es ging erst ewig mit Gegenwind raus, dann ein Stück hoch und danach länger runter, dazu noch durch Brücken und so weiter.


Insgesamt war es deutlich härter, als ich gedacht hatte und ich war eigentlich von Anfang an irgendwie am Anschlag. Ich konnte das Tempo zum Glück relativ lange gut halten und für die Umstände ist die Zeit dann auch ganz okay.


HHT: Wie war das für dich mental – vor allem, wenn du deine Gegner nicht siehst, weil sie entweder vor oder hinter dir laufen?

Das war ein bisschen blöd. Wir sind nicht gleichzeitig gestartet, weil es bei den Altersklassen Rolling Starts gab. Ich hatte also wirklich keine Ahnung, wo ich gerade stehe. Ich habe niemanden aus meiner Konkurrenz gesehen. Manchmal wurde mir zwar zugerufen: „Du hast jetzt so und so viel Rückstand“, aber ich wusste trotzdem nicht, ob ich jemanden gerade überholt habe oder ob der vielleicht netto vier Minuten vor mir läuft. Das war schon ein bisschen schade.


Es ist einfach eine komische Situation, weil man das sonst so nicht hat. Ich liebe es einfach, gegen andere zu racen, wirklich Schulter an Schulter. Es gibt nichts Besseres. Und genau das wird einem dadurch ein Stück weit genommen. Das ist schon schade.


Finn Sattler auf der Überholspur

Foto: Clara Dinter


HHT: Mit 22 bist du ja schon extrem stark. WM-Platz vier: grandiose Leistung. Wie sieht dein Trainingsalltag aus? Wie kann man sich das bei dir vorstellen, du stehst morgens auf und dann?

Ich gehe meistens erstmal schwimmen. Die Woche läuft eigentlich oft relativ gleich ab: mit einem Ruhetag, und die anderen Tage sind ziemlich ähnlich. Häufig schwimme ich morgens, dann geht’s in die Uni, und nachmittags steht entweder eine Radeinheit oder eine Laufeinheit an.


HHT: Was ist deine größte Stärke: Schwimmen, Radfahren oder Laufen?

Eher das Laufen – und im Radfahren ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.


HHT: Du bist neben deinem Wettkampfsport ja auch als Guide bei uns tätig. Wie bist du dazu gekommen und warum hast du dich dafür entschieden?

Ich habe beim Allgäu Triathlon mal als freiwilliger Helfer mitgemacht und dort habe ich diese ganze Bubble so ein bisschen kennengelernt. Danach bin ich dann relativ schnell in die Camps reingerutscht. Auf Mallorca war ich das erste Mal dabei, habe dort auch das erste Mal Hannes kennengelernt und dort als Guide unterstützt.


Ich finde das selbst sehr, sehr cool, weil man so viele neue Leute kennenlernt. Alle teilen diese eine Leidenschaft, das ist megacool. Gleichzeitig kommen die Leute aus ganz unterschiedlichen Berufen, sind verschieden alt. Genau das macht es so besonders. Es ist einfach immer schön, neue Menschen kennenzulernen und dann über diese zwei Wochen gemeinsam so zusammenzuwachsen.


HHT: Gab es für dich schon einmal so ein richtiges Aha-Erlebnis – vielleicht auf einem dieser Camps?

Ich finde es immer schön, die Leute kennenzulernen und vor allem zu sehen, wie sich die Gespräche im Camp entwickeln. In den ersten zwei, drei Tagen geht es meist noch um Dinge wie: „Was machst du beruflich?“ oder „Was sind deine Ziele?“. Und am Ende unterhält man sich dann oft richtig tiefgründig, fast wie mit Freunden.


Ein besonderes Erlebnis war für mich die „Schildkrötenstraße“, die Tortuga. Uns wurde immer gesagt, dort gäbe es Schildkröten. Wir sind die Strecke unzählige Male gefahren und ich habe nie eine gesehen, was ich schade fand, da ich Schildkröten wirklich gern mag. Und irgendwann haben wir tatsächlich eine auf der Straße gefunden. Wir haben angehalten und sie vorsichtig zum Rand gebracht, damit sie nicht überfahren wird. Das war richtig schön.


HHT: Wirst du auch in Zukunft für uns als Guide am Start sein?

Ja, das ist schon fix! Diese Saison bin ich wieder als Guide dabei.


Finn Sattler beim Briefing

HHT: Nach so einer intensiven Saison, was hast du mitgenommen für 2026?

Nach so einer intensiven Saison habe ich vor allem mitgenommen, dass ich erstmal noch etwas Ruhe brauchte, um die mentalen Batterien wieder aufzuladen. Die Offseason tat mir richtig gut.

Für dieses Jahr ist dann das große Ziel, zum ersten Mal als Profi zu starten. Darauf freue ich mich extrem. Vor allem auf dieses echte Eins-gegen-eins-Racing. Ich möchte mich einfach weiter so entwickeln wie bisher, am liebsten in allen Disziplinen, dabei gesund bleiben und vor allem Spaß haben.


HHT: Warum strebst du eine Profikarriere an – ist das ein großer Traum von dir?

Es war tatsächlich schon lange ein Traum von mir Profisportler zu werden. Dass ich jetzt den ersten Schritt gehe und dieses Jahr mit einer Profilizenz an den Start gehe, macht mich schon sehr stolz. 

Der Grund dafür ist schwer auszumachen. Es ist schwer Dinge zurückzugeben vor allem an die Gesellschaft, aber ich wäre super gerne ein Vorbild für Kinder, die zu mir aufschauen und sagen: "Mega cool das will ich auch einmal machen."


HHT: Wenn du dir ein Rennen aussuchen könntest, das du unbedingt einmal gewinnen möchtest: Welches wäre das?

Den Allgäu Triathlon natürlich, sowie die 70.3 WM.


Finn Sattler im Ziel der Ironman 70.3 WM in Marbella 2025

Foto: Clara Dinter


HHT: Schauen wir mal ein bisschen weiter in die Zukunft: Wo siehst du dich in drei Jahren?

Ein großes Ziel wäre auf jeden Fall die WM-Quali bei den Profis, am besten für die 70.3-WM. Hawaii hat vielleicht noch ein bisschen Zeit, aber irgendwann komme ich da hoffentlich nicht drum herum. ;-)


Vielen lieben Dank, Finn! Das Team von Hannes Hawaii Tours wünscht dir weiterhin viel Erfolg. Wir freuen uns darauf, dich bald wieder in einem unserer Camps zu sehen.



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