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Alanis Siffert im Interview

  • Autorenbild: HHT Team
    HHT Team
  • vor 2 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Vom Rookie direkt in die Weltspitze – und jetzt geht’s erst richtig los


Alanis Siffert im Interview
Bildquelle: Stefan Schopf

Alanis Siffert hat in Rekordzeit den Sprung vom „Wer ist das eigentlich?“ zur absoluten Ansage im Profi-Feld hingelegt. Schweiz, Speed, Langdistanz und ein Mindset, das nach mehr schreit. Wir haben mit der drittschnellsten Triathlon-Langdistanz-Athletin aus der Schweiz gesprochen.


Über ihren rasenden Aufstieg, Trainingsmomente, die richtig wehtun (und genau deshalb wirken), und warum die Saison 2026 für sie nicht einfach ein nächster Kalenderpunkt ist, sondern ein klares Statement:


"Ready for bigger things."

Train Like a Pro

Alanis, du bist quasi im Zeitraffer von „Rookie“ zu „Weltspitze“ durchmarschiert – und das in nur drei Jahren. Viele träumen davon, du hast es geschafft. Was war dein Gamechanger? Was ist dein „Geheimnis“? Und mit welchem Mindset gehst du an deine Rennen heran, wenn’s wirklich ernst wird?

Alles, was ich mache, mache ich mit Leidenschaft und ich gebe immer 100 %. Im Training ist es genauso. Ich trainiere nach vier Gefühlszonen (easy – moderate – medium – mad) und nicht nach Puls oder Watt. Das hilft mir, in jeder Einheit das Beste aus mir herauszuholen.


100 % sehen jeden Tag anders aus. Ich fokussiere mich auf mein Körpergefühl während des Trainings, nicht auf die Uhr oder den Bikecomputer. Genau so behalte ich jeden Tag den Spaß am Training. Und am Renntag mache ich es genauso: Ich gebe mein Bestes und kämpfe bis zum Schluss, egal ob es um Platz 1, Top 10 oder Platz 27 geht. Wenn es wirklich ernst wird, bleibe ich im Moment. Ich denke nicht an das Ergebnis, sondern nur an den nächsten Schritt.


Wenn wir jetzt mal die letzten drei Jahre wie einen Film zurückspulen: Welcher Moment war für dich der, der sich am allerbesten angefühlt hat? Welcher Erfolg oder Sieg hat bei dir innerlich am meisten „klick“ gemacht und warum genau der?

Das ist eine schwierige Frage, weil ich schon viele schöne Momente erleben durfte. Aber mein erstes

Langdistanzrennen bei der Challenge Almere war definitiv einer dieser besonderen Momente. Ich stand am Start, ohne genau zu wissen, was auf mich zukommt. Aber ich habe an mich und mein

Training geglaubt.


Es war hart – sehr hart – aber ich habe es irgendwie genossen, durchzubeißen und mich zu pushen. Die letzten zwei Kilometer und dann die Ziellinie zu überqueren, war ein unglaubliches Gefühl. Ich habe an diesem Tag für mich etwas erreicht, auf das ich wirklich stolz war.


Und genau da kam dieser Gedanke:

"Das ist erst der Anfang. Wohin kann ich kommen? Was ist möglich, wenn ich die nächsten Jahre genauso weiterarbeite?"

Das hat mich extrem motiviert.


Bildquelle: Eigenes Archiv


2023 dein Einstieg auf der Mitteldistanz beim Allgäu Triathlon – und dann direkt auf Anhieb Platz zwei. Einfach mal reinkommen und abliefern. Kannst du dich noch an dieses Rennen erinnern? Was ist bei dir davon hängengeblieben? Welche Szene, welcher Moment, welches Gefühl, das du bis heute noch abrufen kannst?

Ja, ich erinnere mich noch sehr gut an dieses Rennen. Ich wollte unbedingt die Kuhglocke gewinnen, das war mein einziges Ziel 😉 Und sie steht übrigens immer noch bei mir zu Hause.


Ich habe den Start geliebt. Die Stimmung im Wasser war grandios, man konnte das Publikum sehen und richtig spüren. Ich hatte keine speziellen Erwartungen, ich wollte einfach mein Bestes geben und habe mich durchgekämpft.


Die Radstrecke ist super abwechslungsreich mit vielen Anstiegen. Das Laufen war extrem hart, aber das Publikum war unglaublich. Eine ganz besondere Erinnerung ist der Kuhsteig: Du kannst nicht mehr, alles tut weh und dann kommt dieser steile Anstieg. Aber die Stimmung gibt dir Flügel. Und am Ende habe ich die Glocke gewonnen. Das hat meinen Tag perfekt gemacht.


Trainingscamps

Und dann ging’s direkt weiter wie auf Schienen: Schon ein Jahr später kamen die ersten richtig dicken Ausrufezeichen. Sieg beim prestigeträchtigen Triathlon EDF Alpe d’Huez und beim Triathlon de Gérardmer 2024. Und als wäre das nicht schon wild genug: 2025 hast du beide Rennen einfach nochmal gewonnen! Titel verteidigt, Statement gesetzt. Wie viel Druck hast du dir da selbst gemacht? War das eher „Ich muss das jetzt bestätigen“ oder eher „Ich geh da wieder rein und mach mein Ding“? Und wie gehst du so eine Titelverteidigung mental an, wenn alle plötzlich nicht mehr nur mitlaufen, sondern dich schlagen wollen?

Natürlich hat man als Titelverteidigerin grosse Erwartungen, von außen und vielleicht auch von innen. Aber ich bin genau das Gegenteil angegangen.


2024 habe ich beide Rennen gewonnen, ohne dass jemand mich wirklich auf dem Zettel hatte. Ich bin mit dem Ziel gestartet, einfach mein Bestes zu geben. Ich habe mein Rennen exekutiert, mich auf die nächsten Meter fokussiert, Kilometer für Kilometer gearbeitet – so schnell wie möglich – und dabei den Spaß nicht verloren.


Also habe ich mir gesagt: Es hat funktioniert. Warum etwas ändern? Es bringt nichts, sich selbst Druck zu machen und zu denken: „Ich muss gewinnen.“ Natürlich will ich gewinnen, aber hilft mir dieser Gedanke wirklich? Nein.


Was hilft, ist die Frage:

Wie komme ich vom Start bis ins Ziel am schnellsten? Im Moment bleiben. Durch den Schmerz pushen. Den Fokus behalten. Die Stimmung aufsaugen. Auf mein Körpergefühl vertrauen. Und 100 % geben mit dem, was ich an diesem Tag zur Verfügung habe. So bringe ich meine besten Leistungen. Druck ist nur Energie, die Frage ist, wie man sie nutzt. Dazu konnte ich auf den Support meiner Familie zählen und das ist sehr wertvoll.


Bildquelle: Nathan Phua / Bildquelle: Marcel Hilger


Bei der ETU-Langdistanz-EM 2024 wirst du dann mal eben Vizeeuropameisterin, in 8:30:16. Und das ist nicht irgendeine Zahl: drittschnellste Langdistanzzeit einer Schweizer Athletin überhaupt. Vor dir nur Julie Derron und die Legende Daniela Ryf. Wenn man dich in einem Satz mit solchen Namen nennt, was macht das mit dir? Mehr Stolz, mehr Motivation… oder eher so ein „okay, jetzt erst recht“?

Das gibt mir ganz klar große Motivation. Daniela Ryf und Julie Derron, aber auch Nicola Spirig sind große Vorbilder für mich. Wenn ich daran denke, dass ich erst 24 Jahre alt bin, sehe ich vor allem Potenzial. Das motiviert mich enorm. Ich möchte meine Grenzen verschieben und sehen, wie weit ich gehen kann. Ich lasse mich von ihnen inspirieren.


Ich habe das große Glück, ein komplettes Team um mich herum zu haben, meinen Coach, meinen Freund, Trainingspartner, meine Familie und meine Sponsoren. Dieses Umfeld ist extrem wichtig. Ich kann auf sie zählen und habe optimale Bedingungen, um mich weiterzuentwickeln.


Danach hast du direkt noch zwei Siege draufgelegt. Bei der Challenge Mallorca und der Challenge Xiamen. Und wenn man sich 2024 anschaut: 6 Mitteldistanzen plus eine Langdistanz – und überall mit Top-Platzierungen. Wie managst du dieses Gesamtpaket aus Training, Reisen und der Belastungssteuerung? Hast du da klare Routinen, oder ist das eher ein flexibles „Just-Travel – aber smart“?

Alle diese Rennen haben mir geholfen, mich weiterzuentwickeln und eine bessere Athletin zu werden. Einige habe ich bewusst aus dem Training heraus gemacht, ohne großes Tapern. Dadurch konnte ich über die Saison eine starke Grundfitness aufbauen und am Ende die hohe Belastung gut verkraften. Wir wählen unsere Rennen strategisch aus, auch in Bezug auf Reise und Regeneration. Rennen sind für mich das beste Training. Ich bin noch relativ neu in diesem Sport, und Wettkämpfe geben mir unglaublich viel Erfahrung.


Ganz entscheidend ist die Balance zwischen Belastung und Erholung. Ich höre sehr genau auf die Signale meines Körpers. Wenn sich etwas ankündigt, passe ich das Training sofort an. So kann ich konstant auf hohem Niveau trainieren, ohne über die rote Linie zu gehen.


Schlaf, Ernährung und ein optimales Trainingsumfeld spielen dabei eine große Rolle. Dieses Umfeld ermöglicht es mir, meinen Fokus jeden Tag zu 100 % auf Training und Regeneration zu legen.


Bildquelle: Quetin Leblanc
Bildquelle: Quetin Leblanc
2025 ging’s dann genauso konstant weiter: zwei Langdistanzstarts, Platz 6 beim Ironman Neuseeland, Platz 3 bei der Challenge Roth plus vier weitere Siege, unter anderem Challenge Taiwan, Xterra Switzerland und die eben genannten Titelverteidigungen. Spätestens nach Roth hat dich doch wirklich jeder auf dem Zettel. Was können wir 2026 von dir erwarten? Wo willst du starten und wird 2026 eher „noch ein Stück höher“ oder gleich „All-in“?

Ich werde meine Saison 2026 bei der T100 Gold Coast am 21. März in Australien starten. Ich habe das Jahr im Trainingslager in China begonnen und nutze die Möglichkeit, in Asien zu sein, um dort die ersten Rennen zu bestreiten, bevor ich zurück in die Schweiz reise und bei der Challenge Roth im Juli an den Start gehe.


Für mich geht es 2026 nicht darum, einfach nur Rennen zu sammeln. Ich möchte mich als Athletin weiterentwickeln und nochmals einen klaren Schritt nach vorne machen. Ich möchte konstante Leistungen bringen und vorne mitkämpfen können.


Dabei denke ich langfristig. Ich bin 24 Jahre alt, ich habe Zeit. Mir ist wichtig, gesund zu bleiben, konstant zu trainieren und jedes Jahr ein bisschen besser zu werden. Wenn ich diesen Prozess respektiere, kommen die Resultate. 2026 ist für mich ein bewusstes Weiterbauen, aber auf einem höheren Level.


Wenn wir jetzt mal deinen Coach Brett Sutton fragen würden: Wo würde er sagen, da liegt bei dir noch richtig Potenzial auf der Straße. Wo ist noch etwas „versteckt“, das du in Zukunft rausholen kannst? Wo kannst du nochmal ein Level aufsteigen?

Wenn man meinen Coach fragt, würde er wahrscheinlich sagen: überall. Und das stimmt auch. Aber ganz klar liegt noch viel Potenzial im Radfahren und im Laufen. Vor allem im Laufen, da ist noch einiges möglich. Ich habe erst im 2021 mit Lauf- und Rad-Training begonnen, und mein Körper adaptiert noch. Ich sehe das sehr positiv. Ich bin erst 24 Jahre alt und habe hoffentlich noch viele gesunde Jahre vor mir. Wenn ich geduldig bleibe und konstant arbeite, kann ich dort noch viel Potenzial rausholen.


Für mich geht es nicht darum, in einem Jahr alles zu maximieren. Sondern Schritt für Schritt stärker zu werden, ohne die Balance und den Spass zu verlieren.


Mal Butter bei die Fische: Sehen wir dich bald in der IRONMAN Pro Series oder nochmals bei der T100 an der Startlinie? Beim T100 French Riviera warst du ja im letzten Jahr bereits am Start und wurdest Zehnte. Was reizt dich mehr, das Pro-Series-Ding mit dem langen Atem oder die T100-Bühne mit richtig Alarm von Anfang an?

Ich starte meine Saison bei der T100 Gold Coast. Das passt vom Timing perfekt und ist eine große Chance für mich. Grundsätzlich ist es im Moment spannend zu sehen, wie viele Möglichkeiten es im Triathlon gibt, verschiedene Distanzen, verschiedene Serien, unterschiedliche Rennformate. Unser Sport entwickelt sich stark, und das finde ich sehr positiv.


Die T100 reizt mich, weil das Niveau extrem hoch ist und von Anfang an richtig Druck im Rennen ist. Es ist sehr intensiv und genau deshalb mag ich es gerne und alles kann passieren während dem Rennen. Ich werde während der Saison schauen, wie sich mein Körper entwickelt und wo ich meine Stärken am besten einsetzen kann. Wichtig ist für mich immer: Die Rennen müssen in mein langfristigen Plan passen –

nicht nur ins Ranking.


Road to Kona

Und die große Frage, die sich natürlich alle stellen: Wann sehen wir dich auf Kona? Ist das für dich schon ein konkreter Plan oder eher so ein Ziel am Horizont, das du dir zur richtigen Zeit holst?

Ich sage immer:

"If it’s meant to be, it will be."

Natürlich ist Kona ein Traum. Aber ich möchte dort nicht einfach nur starten. Wenn ich in Kona an der Startlinie stehe, dann will ich bereit sein, vorne mitzukämpfen. Dafür brauche ich noch etwas Zeit für die Entwicklung und ich bin bereit, mir diese Zeit zu geben. Wenn der richtige Moment kommt, werde ich dort stehen. Und dann nicht nur, um dabei zu sein.


Vielen Dank, Alanis! Das ganze Team von Hannes Hawaii Tours wünscht dir maximalen Erfolg und eine richtig starke Karriere. Viel Spaß bei deinen Wettkämpfen! Bleib fokussiert, bleib hungrig und zieh dein Ding durch. Wir sehen uns ganz bald wieder an der Startlinie!


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